Der zuversichtliche Weg ins Nichts

5. Juni 2014
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„Mehdorn feuert Ex-Technikchef Großmann“, heißt es heute in der Maz. Schon eine Woche nach Bekanntwerden der Korruptionsaffäre hat Geschäftsführer Mehdorn seinen unter Verdacht stehenden Technikchef entlassen. „Wer einmal lügt, der tut es wieder,“ sagte Mehdorn bei Befragung vor den Abgeordneten des Berliner Abgeordnetenhauses.
Dumm gelaufen für Jochen Großmann, dass sein Chef nicht Ortwin Baier heißt. Denn nach Ansicht der „kommunalen Spitzenkraft“ der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow sind Lügen, selbst nachgewiesenes kriminelles Handeln seines Spezis, Baudezernent Sonntag, noch lange kein Grund, das „scharfe Schwert Entlassung“ zu zücken.
So geht es also weiter auf allen Bühnen, hier im hundsmiserablen, parteipolitischen Theaterstück namens „Flughafen BER“, Quell zartester Abscheu, hellster Verwirrung, trübster Erkenntnisse und unerträglicher dramaturgischer und politischer Unzulässigkeiten. Lesen Sie dazu bitte eine aktuelle Wortmeldung von Flughafenplaner Dieter Faulenbach daCosta:
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Der Flughafen BER ist auf dem richtigen Weg und die begonnenen Arbeiten werden auch ohne Professor Großmann weitergeführt.“ Diese Meldung vom 03. Juni 2014 lässt nichts Gutes erahnen.
Seit über zwei Jahren herrscht auf „Deutschlands größter Baustelle mit dem modernsten Flughafen Europas“ stillstand und ein Ende ist nicht absehbar. Man hat Fehler gezählt, Planer gefeuert und geheuert, Experten ohne Expertise geholt, einen Endlossprint gestartet, vorangekommen ist man nicht.

Am Ende des beschrittenen Wegs mag eine funktionierende Entrauchungsanlage stehen, einen funktionalen Flughafen wird es so nicht geben.
Der Luftverkehr in Berlin wächst und die Flughafenanlagen des BER werden immer kleiner. Der Luftverkehrsstandort Berlin Brandenburg verliert an Bedeutung. Wer den Satelliten als Problemlösung propagiert wird weitere Millionen verpulvern; mehr Kapazität gibt es damit nicht. Der Satellit ist Wartefläche pur. Warteflächen gibt es genug. Es fehlen Abfertigungsanlagen.

Die Gesellschafter setzen alternativ- und tatenlos auf den Erfolg der bisherigen Versager. Statt mit Auffangpositionen zu entwickeln, wird das endgültige Aus angesteuert.
So wird ein anspruchsvolles Projekt von überforderten Planern, konzeptionslosen Auftraggebern und stolzen Politikern gegen die Wand gefahren. Das Ergebnis wird nicht nur die öffentlichen Kassen belasten, sondern auch den Luftverkehrsstandort Berlin Brandenburg nachhaltig schädigen.
Aus dieser Krise werden nur unkonventionelle Wege führen. Dazu scheint es aber allen Beteiligten an Mut zu fehlen.

Dieter Faulenbach daCosta

fdc Airport Consulting
Dipl.-Ing. Architect

Tulpenhofstr. 1
D-63067 Offenbach am Main

Tel. +49-69-800-2623/2685
Fax +49-69-800-1877

Mobile +49-172-6907093

Email:dieter.faulenbach@fdc-airport.de

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7 Responses to Der zuversichtliche Weg ins Nichts

  1. Magnus Muschiol
    5. Juni 2014 at 14:35

    Hier hat sich der Herr Faulenbach schön einspannen lassen. Nun ja, mal hat er behauptet, der Flughafen wäre zu groß, mal sagt er, der Flughafen wäre zu klein projektiert.

    Die Wahrheit ist:
    1. In Brandenburg braucht diesen Flughafen kein Mensch, höchstens die Berliner als Ersatz für Tegel, dessen Betriebsgenehmigung 2016 erlischt, wenn sie nicht den gleichen Schallschutz etablieren, wie er für BER gerichtlich festgeschrieben wurde.

    2. Der Finanzabfluß für das Milliardengrab BER hat in den letzten Jahren zu einem gigantischen Abbau an Bildung, Sozial- und Gesundheitsversorgung, Infrastruktur und öffentlichem Dienst geführt. Wer das weiter treibt, begeht ein Verbrechen an der Brandenburger Bevölkerung. es kann nur noch um eines gehen: sofortigen Ausstieg aus dem BER-Projekt. Selbst Faulenbach da Costa hat von voraussichtlich mindestens 10 Mrd. Kosten geredet. Dabei sind noch nicht einmal die Millardensubventionen, die ein betriebsfähiger BER auf Jahrzehnte hinaus erfordern würde.

    Wer jetzt noch von Weiterbau redet, dem fehlt entweder etwas am Hirn, oder er bekommt Geld dafür.

    • Dieter Faulenbach
      5. Juni 2014 at 16:16

      Frage: Warum muss man immer durch andere instrumentalisiert sein und kann keine eigene Meinung haben? Präzises lesen würde bei der Erkenntnisgewinnung von Magnus Muschoil helfen. Ein großes Terminal mit falscher Flächenverteilung hat funktionale und kapazitive Probleme. Das Terminal am BER hat Warteräume für 45 Mio. Passagiere und Abfertigungseinrichtungen (Check-in, Gepäckausgabe, etc.) für 18 Mio. Passagiere.
      Leider ist auch die Fantasie von Muschoil sehrt begrenzt. „Aus der Krise“ werden nur unkonventionelle Wege führen“, habe ich geschrieben. Von Weiterbau steht da nichts.

      • Magnus Muschiol
        6. Juni 2014 at 09:30

        Lieber Herr Faulenbach, das Kompliment gebe ich gerne zurück. Was ist übrigens unkonventionell daran, ein unrentables Milliardenrojekt sterben zu lassen? Seit Wackersdorf ist das allen vertraut. Auch Brandenburg hat mit einer Chipfabrik und einer Riesenzeppelinhalle (Cargolifter) genug Investruinen. Wenn Sie mit „unkonventionellen Wegen aus der Krise“ den Ausstieg aus BER und eine Nachnutzung des Terminals meinen, begrüße ich das natürlich.

        Allerdings hätten Sie sich bei der Veranstaltung in der Astrid-Lindgren-Schule in Mahlow etwas deutlicher in diese Richtung artikulieren müssen. Hängen geblieben ist bei den Zuhörern lediglich ihre Aussage, dass der Flughafen zu klein gebaut ist und folgerichtig vergrößert werden wird. Und gerade das halte ich für eine Glaskugelprognose.
        Auch vor dem Hintergrund, dass selbst die Münchener sich gegen eine zusätzliche Startbahn entschieden haben. Und dass wohl kaum allein aus gesundheitlichen Gründen.

        • Dieter Faulenbach
          6. Juni 2014 at 17:59

          Auch da haben Sie nicht genau hingehört. Die Veranstalter haben mich gebeten darzulegen, ob und wann eine 3. Piste erforderlich wird und welche Folgen eine 3. Piste haben wird. Am Münchener Flughafen ist die 3. Piste genehmigt. Gebaut wird sie, trotz der Abstimmung in der Stadt München, dann wenn das Wachstum es erforderlich macht. Es ist keine „Glaskugelprognose“ sich mit Zukunftsfragen dann zu beschäftigen, wenn Alternativen noch möglich sind. Wenn der Bedarf offensichtlich und unausweichlich ist, ist es für Alternativen zu spät und der nächste Ausbau am jetzigen Standort unausweichlich. Dies müssen dann die durch den Ausbau Betroffenen ertragen. Deren Schicksal hätte verhindert werden können, wenn man frühzeitig die möglichen Folgen ermittelt und die besseren Lösungen in der Raumordnung festgeschrieben hätte.

          • Jochen_67
            8. Juni 2014 at 20:37

            Ein Flughafenplaner plant halt am liebsten Flughäfen. Das will ich Ihnen gern konzidieren. Und ein Politiker erklärt gern, das, was er erreichen will, für unausweichlich. Das Dilemma ist, wenn sich beide Absichten überschneiden.

            Der Politiker, welcher sich als Flughafenplaner betätigt, macht sich zur tragischen Figur (siehe Wowereit, Diepgen). Der Fachmann, welcher aus technokratischer Sicht ein Projekt beurteilt, sollte sich vor den Fallstricken der Politik hüten.
            Und natürlich bei der Wahrheit bleiben. Die dritte Piste in München kann nicht nach Jux und Tollerei und wirtschaftlichem Bedarf gebaut werden. Dazu bedarf es einer legislativen Entscheidung. Und selbst dieser kann der Souverän noch die rote Karte zeigen.

            Noch ein wichtiger Unterschied: was die Bayern quasi aus der Portokasse bezahlen, tut dem Brandenburger Steuerzahler richtig weh. Andere Verhältnisse eben, die ein Aussenstehender erstmal nachvollziehen muss.

            • Dieter Faulenbach
              9. Juni 2014 at 07:12

              Jochen, zuerst einmal bedanke ich mich für den Technokraten (Fachidioten). Ich habe 20 Jahre ehrenamtlich und sechs Jahre hauptamtlich Politik gemacht. Vom Planungsrecht sind Sie nicht besonders beleckt. Die Legislative (also der Landtag) kann bei solchen Projekten zwar den Mund spitzen, er kann aber nicht pfeifen. Planfeststellungsverfahren sind reine administrative Verfahren, da haben weder Parlamente noch politische Mehrheiten etwas zu sagen. Das ist auch gut so, weil sonst die Baugenehmigungen für Ihr Häuschen von der Mehrheit im Kreistag abhängen würde. Die 3. Piste in München ist genehmigt. Die Genehmigung wurde durch den Bayrischen Verwaltungsgerichtshof bestätigt. Wenn es den Bedarf gibt, wird der Flughafen bauen. Zum Fachmann: Mit der Raumplanung, da ist die Politik wieder zuständig, sollen absehbare Konflikte frühzeitig gelöst werden. Wenn aber Politik der Auffassung ist, dass a) der Flughafen wichtig für die Region ist, b) am richtigen Standort liegt muss die Politik auch c) dafür Sorge tragen, dass sich der Flughafen am Standort bedarfsgerecht entwickeln kann. Dafür muss die Politik d) über die Raumordnung verhindern, dass die Flächen die der Flughafen für die Entwicklung, inklusive der externen Folgen, beanspruchen wird von Besiedlung freigehaltenwerden. Sonst stellt sich e) die Frage, warum ein Fluglärmschutzgesetz Schwellen- und Grenzwerte definiert? Die Raumordnung ist ein Instrument der langfristigen Vorsorge und die Planfeststellung dient der Deckung der Nachfrage.

              • Jochen_67
                10. Juni 2014 at 16:16

                Der Technokrat war nicht bös gemeint. Technokratisch heißt lt. Fremdwörterbuch „von Gesichtspunkten der Technik und Verwaltung bestimmt und auf das Funktionieren gerichtet“. Das wollte ich damit ausdrücken.

                Administrative Verfahren kommen aber ohne aktives Handeln der Politik, jedenfalls im Umfang eines Planfeststellungsverfahrens für einen Flughafen, nicht zustande, bzw. erst, nachdem Parlamente, bewußt oder aus Versäumnis, Entscheidungen nicht getroffen haben.

                Was den Häuslebauer betrifft, hier kann die Mehrheit in Kommunalparlamenten durchaus eine Rolle spielen, was den FNP betrifft. Selbst die örtl. Bauordnung muss ja beschlossen werden. Dazu hatten wir vor der Kommunalwahl in Rangsdorf den interessanten Fall eines Schwarzbaus durch einen CDU-Politiker, den sich dieser nach der Wahl mit geänderten Mehrheiten legalisieren lassen wollte.

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