Zwischen Pest und Cholera – Brandenburg hat die Wahl

14. September 2014
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Ein Kommentar

 Ich gebe zu, noch nie ist es mir so schwer gefallen, mich bei einer Wahl zu entscheiden. Schon bei vergangenen Stimmabgaben habe ich einer Partei oder einem Kandidaten nicht meine Stimme gegeben, weil sie mein Vertrauen hatten. Ich betrieb vielmehr Schadensbegrenzung.  Aber selbst eine taktische Wahl fällt mir diesmal schwer. Zu gering ist der Unterschied zwischen den einzelnen Figuren, die da ihren Auftritt haben. Die Boulevardpresse hat dafür den Begriff „Hackfressen“ geprägt.

 Tatsächlich haben die Kandidaten, die zur Zeit ihre Larven raushängen, keine sehr glückliche Hand bei der Auswahl ihrer Bilder gezeigt. Das fängt an bei der SPD. Tina Fischer, Klara Geywitz und Ulrike Häfner sehen sich irgendwie ähnlich. Man könnte es unter dem Schlagwort „Neue Bescheuertheit“ zusammenfassen. Tina Fischer, welche in ihrem Wahlkreis bei der Bundestagswahl durchgefallen ist, hat das Feld diesmal Dietlind Biesterfeld überlassen. Bei deren Plakat sieht man, was Adobe Photoshop in unkundiger Hand alles anrichten kann. Vielleicht hätte man noch „Zweite Wahl“ darunter schreiben sollen. In den Kreistag hatte sie es ja nicht geschafft.

Das Konterfei Daniels von Lützow, der hofft, mittels des AfD-Hypes aus dem Stand vom Kleintransporter-Fahrer zum Landtagsabgeordneten zu mutieren, schreit geradezu: „Ich war Unteroffizier und bin möchtegern-Hilfspolizist.“ Der kleine, mausgesichtige Oliver Mücke von den Piraten war extra nach Berlin gefahren und hat dort in einem Fotostudio viel Geld ausgegeben. Das hat sich Christoph Schulze erspart. Er wirbt in einer für den BVB teuren Materialschlacht mit einem handcolorierten Jugendfoto. Hoffen wir, dass „Dannyboy“ Eichelbaum soviel Kilometer abrechnet, dass er sich ein besser sitzendes Jackett leisten kann.

 An die Fleischtöpfe

 Fast alle haben eines gemeinsam: Sie wollen versorgt werden, wollen an die Fleischtöpfe der Landtagsdiäten. Die Kandidaten der großen Parteien sowieso, aber auch die anderen. Christoph Schulze nimmt man sein Engagement zum BER nicht ab. Es ist einfach nur das einzige Thema, was er noch politisch besetzen kann. Er gerät geradezu in Panik, aus dem Landtag zu fliegen und das erste mal richtig arbeiten zu müssen. Seine Facharzt-Ausbildung hatte er 1994 nach nur einem halben Jahr abgebrochen. Oliver Mücke hat, gleich nach dem seine Frau im Öffentlichen Dienst ihre Probezeit herum hatte, seine Klempnerbude dichtgemacht und sich auf ein leistungsloses Einkommen im Landtag vorbereitet. Ach ja, Tina Fischer. Die ehemalige Büroleiterin von Peter Danckert hatte frühzeitig erkannt, dass es ungesund für die Karriere ist, sich von einem Auslaufmodell den Po tätscheln zu lassen und ließ sich lieber von Platzeck protegieren. Dass sie damals so schnell auf die Landesliste kam, hat selbst unter den eigenen Genossen für böse Gerüchte gesorgt. Am liebsten würde ich das alles aber gar nicht wissen.

 Wieder kann es bei dieser Wahl nur darum gehen, das Schlimmste zu verhüten. Eines ist jedenfalls klar, da gebe ich Matthias Stefke Recht: die SPD hat ihre Legitimation verloren und gehört in die Reha.

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2 Responses to Zwischen Pest und Cholera – Brandenburg hat die Wahl

  1. Heike Saase
    14. September 2014 at 12:49

    Das nenne ich mal “ Wahlhilfe“, Herr Muschiol !?

    Dieser Kommentar wäre besser im stillen Kämmerlein geblieben.

  2. Magnus Muschiol
    15. September 2014 at 10:16

    Liebe Frau Saase, für Wahlhilfe bin ich nicht zuständig. Ich denke auch, eine kluge Frau wie Sie, noch dazu mit sachverständigem familiären Hintergrund, hat diese gar nicht nötig.

    Hier noch ein Link zu einer vielleicht vergnüglicheren Lektüre zu diesem Thema:
    http://www.textlog.de/tucholsky-besoffener-herr.html

    in der von Eberhard Esche gelesenen Fassung: http://www.youtube.com/watch?v=XoKmdFdnfOo

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