Problem: Nordumfliegung von Mahlow

4. Januar 2015
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Hier, im Nachgang zum Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom November 2014, ein Beitrag von Prof. Augustin und Bernd Habermann:
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Problem: Nordumfliegung von Mahlow-Am Problem „vorbeiverhandelt“- Gericht weist Klage zurück.

Als im Zuschauerbereich der Gerichtsverhandlung in Leipzig zum Stillschweigen verpflichtete Teilnehmer waren wir recht verwundert und letztendlich entsetzt über den Verlauf der Verhandlungen zum Problem „Nordumfliegung Mahlow“.

Nachdem die Verhandlungsteilnehmer – initiiert durch den vorsitzenden Richter – unserer Auffassung nach völlig unnötig sehr lange über das Problem „abhängige oder unabhängige Betriebsabwicklung auf beiden Start- und Landebahnen am Tage“ diskutiert haben, wurde endlich das eigentliche Problem der Nordumfliegung behandelt. Es war sehr rasch festzustellen, dass das Gericht von vorn herein etwas gegen den Klagegegenstand hatte, denn der Richter versuchte immer wieder und wieder mit der Lärmbelastungsfrage einer „mehr oder weniger unzumutbaren Lärmbelastung“ der entsprechenden Betroffenen die Diskussion abzuwürgen. Er war der Auffassung, dass „weniger sehr unzumutbar Betroffene im Falle des Geradeausflugs“ besser sind, als „etwas mehr und neue etwas weniger Betroffene im Falle der Umfliegung des Nordbereichs von Mahlow“. Dabei wurde jedoch außer Acht gelassen, dass die Beurteilung der Belastung im Falle des Geradeaus-flugs nicht nur rein pegelmäßig, sondern auch wegen der ganzjährigen Doppelbelastung durch An- und Abflüge ohne jegliche Lärmpausen wesentlich stärker gewichtet ausfallen muss, als für die Neubetroffenen im Falle der Nordumfliegung.

Diese aus unserer Sicht recht unsolidarische Einstellung wurde immer wieder auf das Problem der „flugtechnischen Schwierigkeit der Realisierung der Nordumfliegung“ und auf den „unabhängigen Flugbetrieb“ zurückgeführt, wobei letzteres damit gar nichts zu tun hat.

Es wurden allerdings von den Anklagevertretern letztendlich die alles entscheidenden Fragen mit Nachdruck nicht gestellt:

• Warum kann in Schönefeld die Nordumfliegung nicht realisiert werden, wenn das in Frankfurt im Falle der Gemeinde Raunheim ohne weiteres möglich ist ?

• Warum kann in Schönefeld am Tage die Nordumfliegung nicht problemlos realisiert werden, wenn das bereits durch Gerichtsbeschluss in der Nacht festgelegt worden und zu realisieren ist.
• Wenn man schon immer wieder den für den BER planfestgestellten zeitlich uneingeschränkt unabhängigen Betrieb betont, dann stellt ja gerade eine rechtzeitige Nordumfliegung Mahlows eine vorteilhafte zusätzliche Entkopplung der Westabflüge von beiden Startbahnen und somit eine zusätzliche Erhöhung der Flugsicher-heit dar, so dass die vorliegende Entscheidung gegen eine Nordumfliegung Mahlows sogar auch aus diesem Grunde schon unverständlich ist.

Das Gericht hat nun entschieden und wir müssen die verpasste Gelegenheit so hinnehmen.

Zur Verdeutlichung der nun verpassten Belastungssituationen mit und ohne Nordumfliegung soll die Anlage dienen:

Nordumfliegung Mahlow

Dargestellt sind Isokonturlinien für Tages-Dauerschallpegel 55 und 60 dB(A), mit und ohne Nordumfliegung.

Bemerkenswert ist, dass die Grenze des neuen Tagschutzgebietes mit einem Dauerschallpegel von LeqT = 60 dB(A) durch die Nordumfliegung zu einer erheblichen Entlastung des Kernbereichs von Mahlow und von Blankenfelde führen würde, ohne dass wesentliche Bereiche Nord Mahlows, von Mahlow Waldblick und des südlichen Randes von Berlin in das neue Tagschutzgebiet fallen würden. Lediglich der Rote Dudel würde in das neue Tagschutzgebiet fallen. Die Doppelbelastung von Mahlow würde fast gänzlich aufgehoben und nur noch ein kleiner Bereich von Ost Mahlow (Lückefeld) wäre durch den Anflugverkehr unzumutbar belastet.

Die Verlagerung der Grenze einer Lärmbelastung LeqT >= 55 dB(A) und <= 60 dB(A) durch die Nordumfliegung entlastet den Nord- und Kernbereich von Blankenfelde und reicht jetzt gerade an die Westgrenze des Kernbereichs von Mahlow heran. Dafür würde allerdings ein kleiner Teil Nord Mahlows, von Mahlow Waldblick und ein etwa 500 m breiter Streifen des Ortsteils Berlin- Lichtenrade mit Pegeln zwischen 55 und 60 dB(A) belastet.

Das sind definitionsgemäß laut Fluglärmschutzgesetz aber noch keine „unzumutbaren“ Belastungen.

Prof. Dr,-Ing. habil. E. Augustin
B. Habermann

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