Schlechtes Kino von Helmut Morsbach: Zur Abwahl des Vorsitzenden des Kulturvereins

4. Januar 2015
Von

Am 16.12.2014 trafen sich die Mitglieder des Kulturvereins zu einer außerordentlichen Sitzung. Einziger Tagesordnungspunkt gemäss eines Antrag von mehr als 25 Prozent der Mitglieder: Die Abberufung von Helmut Morsbach als Vorstandsmitglied. Das Ergebnis: Der Vorsitzende des Kulturvereins wurde mit einer unerwartet, klaren Mehrheit abgewählt. 24 der 26 anwesenden Mitgliedern stimmten mit „Ja“, zwei mit „Nein“.
Schöne Bescherung, und das schon vor Heilig Abend. Besinnlich sollte sie eigentlich sein, die Adventszeit, doch viel war davon an diesem Abend nicht zu spüren. Die Hoffnungen, die die Mitglieder des Kulturvereins nach dem plötzlichen Tod von Bernd Heimberger in die Wahl des ehemaligen Vorstandes der DEFA-Stiftung setzten, waren groß. Ein Katholik, warum nicht? Lieber ein kritischer Katholik, als ein gläubiger Atheist (K. Tucholksky) – es muss ja nicht gleich als zweiter Eugen Drewermann sein. Doch diese Hoffnungen sind längst verflogen, Ernüchterung hatte sich breit gemacht. Das Fass zum Überlaufen brachte der Konflikt zwischen dem Vereinsvorsitzenden, H. Morsbach, und den vier weiteren Vorstandsmitgliedern  und zwar im Zusammenhang mit der Erstellung einer Ortschronik von Blankenfelde.

Nachdem Bürgermeister Ortwin Baier und der verstorbene Bernd Heimberger, Vorsitzender des Kulturvereins und Fraktionschef des BürgerBündnnisses Blankenfelde-Mahlow, einander zu dessen Lebzeiten in herzlicher Abneigung verbunden waren – ging nach dem Tod des Anspruchsvollen und Eigenwilligen alles ganz schnell. Nun auf einmal konnte und wollte Ortwin Baier, pardon – die Gemeinde, Geld in die Hand nehmen – die Rede ist von 8.000 € Honorar- um eine Ortschronik von Blankenfelde erstellen zu lassen. Erstellen zu lassen vom Kulturverein – denn endlich stimmte sie wieder, die Chemie zwischen dessen neu gewählten Vorsitzenden und der kommunalen Spitzenkraft Ortwin Baier. Morsbach kann ein Archiv beisteuern, dass der Arbeitskreis „Heimatgeschichte“ des Kulturvereins in 20 Jahren eherenamtlicher Arbeit zusammengetragen hat und Bürgermeister Baier nicht zuletzt seine ganz eigenen, speziellen Fähigkeiten und Erfahrungen in Sachen Vereinsförderung.
(Maz 0101.2014 – Jahresrückblick 2014: Die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow-Justizias Lieblingsgemeinde)

Da will eine Gemeinde Geld in die Hand nehmen, um eine Chronik zu bekommen.  Im Grunde eine gute Sache. Das Problem: Der Vertragsentwurf , den die Verwaltungs unter Ortwin Baier dem Kulturverein vorlegte, sah vor, dass dieser auf sämtliche Rechte an Bildern und Dokumenten verzichtet.
Für Morsbach so weit in Ordnung, nicht aber für die anderen vier Vorstandsmitglieder. Für diese stand fest, Urheberrechte des Kulturvereins, welche zweifelsfrei belegt sind, wird dieser nicht abtreten und solche, die nicht feststehen, kann er nicht abtreten. Geschweige denn könne der Verein aufgrund der vielfach unklaren Rechte-Situation der Verwaltung zusichern, dass alle Rechte-Inhaber mit der Nutzung einverstanden sind. Um Klarheit zu gewinnen und in Sachen Ortschronik weiter voranzukommen, wurde Morsbach daraufhin auf Beschluss des Vorstandes (4:1)  beauftragt, einen Fachanwalt für Urheberrecht auf Vereinskosten zu einzuschalten.

  • Auf mehrfache Nachfrage, warum er denn diesen damaligen Beschluss nicht umgesetzt hat, erklärte Morsbach schließlich in besagter, außerordentlicher Sitzung, die Umsetzung dieses Beschlusses hätte sich für ihn erübrigt, nachdem für ihn klar war, dass er einen zweiten Kulturverein gründen und dieser mit der Verwaltung einen Vertrag über die Erstellung der Ortschronik abschließen wird.
  • „Da wir uns leider zur Publikation zu Blankenfelde nicht verständigen konnten, war dieser Verein notwendig“, so seine Position bereits Mitte November.

Eine kindische Konfliktlösungsstrategie? Eine dem  K u l t u r verein gemäße? Jedenfalls die von Helmut Morsbach!
Was wiederum den meisten Vereinsmitglieder partout nicht in den Kopf wollte. „Das muss Ihnen ja nicht gefallen, was ich entscheide – aber vielleicht versuchen Sie einfach, das so hinzunehmen und zu schauen, was sich daraus in den kommenden Wochen entwickelt, beschied er einem Vereinsmitglied auf Nachfrage. Schade eigentlich, dass er diesen Satz nicht auch in seiner Umkehrung auf sich selbst beziehen mochte – frei nach dem Motto: Es muss mir ja nicht gefallen, einen Fachanwalt für Urheberrecht zu beauftragen, aber vielleicht versuche ich einfach mal, den Vorstandsbeschluss umzusetzen und zu schauen, was sich daraus in den kommenden Wochen in Sachen Klärung, Konflikteindämmung entwickelt.  Nein, besagter Satz gilt für ihn offenkundig nur in seiner Ego-Einbahnstrasse. Er hat es halt, im Gegensatz zu seinem verstorbenen Vorgänger, nicht mit Imre Kertesz: „Aufrichtigkeit verdient nur dort diesen Namen, wo Erkenntnis restlos gegen mich selbst verwendbar ist.“ Das Verhalten Morsbach wirft Fragen auf, nicht zuletzt die, wie dieser Mann denn wohl als Vorstand der DEFA-Stiftung agiert haben mag.

Eine verwirrte Vera Hellberg jedenfalls, Vorsitzende des Kulturausschusses, ließ daraufhin in der Sitzung am 3.12.2014 darüber abstimmen, dass die Verwaltung beauftragt(!) wird, einen Vertrag für die Publikation einer Ortschronik zwischen der Gemeinde und der Privatperson, Herrn Morsbach, zu schließen.  Abgesehen davon, dass das Abstimmungsergebnis „Ablehnung“ lautete: Einen Helmut Morsbach einerseits als Vorsitzenden des Kulturvereins und andererseits als privaten Vertragspartner überhaupt in Erwägung zu ziehen, darauf  muss man in Kenntnis des noch immer unvermindert schwelenden Konfliktes zwischen ihm und den anderen vier Vorstandsmitgliedern erst einmal kommen. Und zwar ganz von allein, als Vorsitzende eines Ausschusses des Kommunalparlaments – in einer Eigenschaft also, in der man eher ein Interesse an kulturvollem Ausgleich statt an Konfrontation bzw. der Ignoranz von Konfliktpotential vermutet.
Dafür lief es für sie und Helmut Morsbach im zweiten Anlauf wunschgemäß. Nachdem er als privater Vertragspartner der Gemeinde in der Abstimmung durch fiel, ließ sie nun darüber abstimmen, der Ausschuss möge die Verwaltung beauftragen, einen Vertrag für die Publikation einer Ortschronik zwischen der Gemeinde und dem von Morsbach inzwischen gegründeten Parallel-Verein „KinoKulturverein Blankenfelde-Mahlow e.V.“ abschließen. Knappe Zustimmung.
Dass ein Ausschuss die Verwaltung nicht beauftragen kann, sondern dies dem Kommunalparlament vorbehalten ist, wen interessierts. Formaler Kommunalverfassungs-Klimbim, der kann einem als Ausschussvorsitzende und langjährige Gemeindevertreterin(SPD) im Eifer des Gefechts schon mal abhanden kommen. „Beauftragen“ oder „empfehlen“ – wir wissen doch alle, was gemeint ist. Deswegen muss man doch die Abstimmung nicht wiederholen, oder?
(Protokoll Kultur+Sozialausschuss v. 3.12.2014)

Auf  die Fragen:

  • Wie er sich sich das denn vorstellt mit der Werbung von Vereinsmitgliedern im Hinblick auf die Wahrnehmung der Interessen des Kulturvereins und ob er als Vorsitzender von zwei Kulturvereinen keine Interessenkollision sieht?
  • Warum er denn auf einmal Kino-Veranstaltungen außerhalb des Kulturvereins anbieten will, das wäre doch ein Feld, dass der Kulturverein seit Jahren „beackert“?
  • Ob wir hier auf der Rennbahn sind und in Sachen Ortschronik einer neuer Rekord aufgestellt werden muss? Oder, ob ihm das Honorar bzw. sein Image als Herausgeber der Ortschronik wichtiger ist, als die einvernehmliche Klärung strittiger Fragen und es dabei auf sechs Monate mehr oder weniger ankommt?
  • Ob er nicht das Gefühl hat, dass der Verein entmündigt wird, wenn er die Nutzungsrechte an Dokumenten und Bildern aus seinem Archiv ohne Not abtritt und er nicht mit seiner Zustimmung dazu, jenseits rechtlichen Klärungsbedarfs, gegen Vereinsinteressen verstößt?

kam von H. Morsbach nichts Substanzielles, um es ganz behutsam auszudrücken. Das war ganz schlechtes, unaufrichtiges Kino, was er an diesen Abend bot.

Selbstverständlich kann ein Helmut Morsbach so viel Verein gründen, wie er will – wenn er den Eindruck gewinnt, er kann den Verein, dem er gerade vorsteht, nicht so für sich benutzen, wie er möchte. Oder wenn ihn das Gefühl beschleicht, er hat es mit Vorstandsmitgliedern zu tun, deren Erwartungen  an einen souveränen, selbst-los agierenden Vorsitzenden ihn überfordern. Nur, dann muss er auch die Konsequenzen für sein Handeln tragen und kann sich nicht bei möglichen Souffleuren im Hintergrund beklagen. Nichts fällt einem von selbst zu, selbst eine bodenlose Dummheit muss man erst mal machen.
Die Kritik, die Morsbach mit Blick auf die Verbesserung der Arbeit des Kulturvereins äußerte, wurde am besagtem Abend von niemand infrage gestellt. Doch allein die Tatsache, dass er es vorzog, diese nicht etwa auf der regulären Mitgliederversammlung im November zu äußern sondern sich für den Moment aufzuheben, in dem es um seinen eigenen Hintern ging – anläßlich einer kontroversen Diskussion im Zusammenhang mit seiner Abwahl, war offenkundig für viele Vereinsmitglieder ein Grund mehr, ihn zu feuern. Auch seinen beiläufigen Hinweis, er werde als Mitglied des Kulturvereins künftig ein „wachsames Auge“ auf die Tätigkeit des Vorstandes haben, interpretierten einige Mitglieder eher als   „Drohung“, denn als ehrliches Angebot.

Einen Dank auch an die Maz. Sie infomierte über das Ereignis in ihrer Print-Lokal-Ausgabe vom 02.04.2015 unter der Überschrift:

  • „Kulturverein wählt Vorsitzenden ab – Helmut Morsbach muss wegen seine Engagements im Kinoverein gehen.“

Der Ärmste. Gott lob, wie einfältig wären wir doch ohne eine eine täglich neu erscheinende Zeitung. Am Ende kommt es immer so, wie es kommen muss, sonst würde es schließlich auch anders kommen. Und mal ehrlich , diese Auseinandersetzung hat doch alle Seiten irgendwie weiter gebracht – menschlich, dramatisch und spirituell.

Jörg Blunk
Mitglied des Kulturvereins
Mitglied BürgerBündnis Blankenfelde-Mahlow

Beschwerde H.M. an BB-Fraktionsvorsitzende + Antwort

Print Friendly, PDF & Email

Tags: , , , , , , , , , ,

One Response to Schlechtes Kino von Helmut Morsbach: Zur Abwahl des Vorsitzenden des Kulturvereins

  1. Magnus Muschiol
    19. Januar 2015 at 16:28

    Alles wie erwartet. Dass Morsbach nach Bernd Heimbergers Tod sein Herz dem Kulturverein zuneigte, kam zu plötzlich und war einfach unglaubwürdig. Spätestens seit seiner Kungelei mit den Vertretern der Rathausfraktion im Vorfeld der Veranstaltung „Wieviel ist uns die Kultur wert“ hätten die betagten Leutchen hellhörig werden müssen. Mit seiner Wahl hatten sie sich selbst einen Bärendienst erwiesen. Sich jetzt zu echauffieren, ist zwar ehrenwert, aber die richtigen Schlüsse aus diesem Desaster zu ziehen wäre wichtiger, als einer Katze vorzuwerfen, dass sie das Mausen nicht läßt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.