Die Taugenichtse und der Tugendbold

25. Mai 2015
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Zu „Grüne fordern Rücktritt von Stefke und Schrader“ (Maz vom 21.05.2015)

Der Vergleich von G. Schrader (Fraktion BVBB-WG) zwischen der Arbeit  der Deutschen Flugsicherung (DSF) in Sachern Routen-Festlegung und der Judenvernichtung in der NS-Dikatatur ist selbstverständlich abwegig, genauso wie der Vergleich zwischen DDR-Diktatur und NS-Diktatur. Man muss solche Vergleiche immer und immer wieder als das bezeichnen. was sie sind: eine Verharmlosung der NS-Verbrechen bis hinzu deren Exzess, der industriellen Vernichtung von Menschen. Selbst eine Vokabel wie „deplaziert“ in der Pressemeldung der Grünen,  ist nichts weiter als armselige Verharmlosung.
Das darf nicht passieren, schon gar nicht einem klugen, sachlichen Gerrit Schrader. Reflexion statt Reflex, bleibt die ständige Herausforderung.
Das Geschehen ist auch ein Hinweis mehr darauf, wie inzwischen die Nerven, auch eines persönlich von Fluglärm betroffenen Gemeindevertreters, blank liegen angesichts menschen verachtender Standortwahl und des abgestimmten Vorgehens zwischen FBB GmbH und deren Eigentümer (Bund, Land Brandenburg, Land Berlin) in Sachen „weltbester Schallschutz“. Eines abgestimmten Vorgehens, das Jürgen Roth, einer der bekanntesten investigativen Journalisten Deutschlands, schon 2012 gegenüber klaerwerk als organisiertew Wirtschaftskriminalität bezeichnete – einschließlich der Verschleierung von Gesetzesbrüchen bis hin zur Rechtsbeugung.

Treppenwitz: Kalinka als Interessensachwalter der flughafenkritischen Bewegung
Dass allerdings ausgerechnet „Grünen-Darsteller  Kalinka“ (Bernd Heimberger) in der gleichen Pressemeldung feststellt, die Vertreter der Bürgerfraktionen Schrader und Stefke hätten damit der flughafenkritischen Bewegung geschadet, ist ein Treppenwitz. Ausgerechnet Kalinka? Ein Interessensachwalter der flughafenkritischen Bewegung? Könnte es sein, dass hier auf eine Entgleisung die nächste folgt? Es dürfte sich lohnen, genauer hin zuschauen:
Kalinka hat, seit er 2008 in das Amt des Gemeindevorstehers gehievt wurde von Bürgermeister Baier und seinen Schleppenträgern (SPD, LINKE, CDU) – allzu oft nur das gewöhnliche Geschäft der Genannten besorgt.  Auch – aber nicht nur in Sachen Flughafen BER.  Selbstverständlich immer unter der Maske des Demokratie-besorgten Moderators. Die Berichte, die sich in den Jahren dazu auf klaerwerk angesammelt haben sprechen eine klare Sprache. Interessenten nutzen bitte das Suchfeld auf der Startseite und geben „Kalinka“ ein.

„Rücktritt“ tönt es aus der grün angestrichenen Trompete
Sein „Sturm auf Stefke“ hat insofern eine längere Vorgeschichte – die spätestens an dem Tag ihren Lauf nahm, als sich die Bürgerfraktionen „erdreisteten“ Strafanzeige im Zusammenhang mit dem Beratervertrag „Rathaus-Neubau“ zu erstatten. Dass das, was nach krimineller Energie und Korruption um drei Ecken roch, auch wirklich Korruption und kriminelle Energie war – ist inzwischen bekannt. Es war nicht Gottes Werk, aber Kalinkas Beitrag, sachlichen Einwände von Kritikern einschließlich des WOBAB-Geschäftsführers beiseite gewischt zu haben. Mit dem bekannten Ergebnis. Inzwischen ist der Gemeinde nicht nur ihr Rathaus-Projekt sondern auch ihr Baudezernent abhanden gekommen – Millionenschaden inklusive. Nur der Vorturner des Baudezernenten, Verwaltungschef Ortwin Baier hat mit der ganzen Angelegenheit „nichts“ zu tun. Deswegen ist seine Hofschranze Kalinka bis dato auch folgerichtig nicht auf die Idee gekommen, öffentlich dessen Rücktritt zu fordern.
Die verbale Entgleisung eines engagierten Gemeindevertreters jedoch – angesichts jahrelanger Verarschung durch grüne und andere Politikanten  – ist dagegen von ganz anderem Kaliber. Rücktritt, sofort! Was sonst, tönt es aus der grün angestrichenen Trompete.

Kalinkas Vergesslichkeit
Vergessen ist, dass der gleiche Kalinka sich noch einige  Monate zuvor bei Gemeindevertreter Gerrit Schrader anbiederte, ob er nicht in die Fluglärmkommission (FLK) als Vertreter der Gemeinde gehen wolle. Auf dessen Antwort hin, wir hätten doch Habermann- hiess es, dem Vernehmen nach, von Kalinka:  ob er der Meinung wäre, der könne nach seinem Austritt aus der SPD noch die Interessen der Gemeinde vertreten? Was Gerrit Schrader glatt bejahte. Wie unvorteilhaft für ihn. Nun aber: Rücktritt, sofort!
Weshalb erwähnt Kalinka nicht ebenfalls,  dass die Strafanzeige schlicht nach hinten los ging, welche er, Baier und Co. in der Gemeindevertretung auf den Weg brachten  – im Nachgang zu Stefkes emotionalen Ausbruch einschließlich Entschuldigung (… hängen, steinigen …). Die Staatsanwaltschaft hat es abgelehnt Anklage zu erheben. Warum wohl? Wegen Lächerlichkeit? Wegen politischer Effekthascherei?
Ob man Äußerungen von Gemeindevertretern in das Schubfach „spontane Gefühlsaufwallung“ oder „bewußte Provokation“ einsortiert, das hat Demokratie-Oberlehrer Kalinka noch immer davon abhängig gemacht – ob es sich um angepasste oder kritische Gemeindevertreter handelt. Und am Ende, nach dem die „Hose politisch schon voll“ war – ging regelmäßig auch alles in die „juristische Hose“, was rein passt. Sei es in diesem Fall, sei es im Fall Heike Saase oder in Sachen „Kalinka-Paradoxon“ – selbstverständlich nicht zu Lasten der „Initiatoren“, sondern auf Kosten der Gemeindekasse.

Die Courage der Beate Klarsfeld – oder: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht
Als es in 2012 Tumulte gab wegen eines Polizeieinsatzes in der Gemeindevertretersitzung im Zusammenhang mit dem von Bürgermeister Baier, Kalinka & Co. inszenierten Rausschmisses des erfolgreichen WOBAB-Geschäftsführers T. Bachmann  – forderte der damalige Gemeindevorsteher Kalinka (SPD/Grüne) öffentlich: “Handeln Sie wie Demokraten und respektieren Sie die Regeln demokratischer Institutionen.”(Maz vom 29.09.2012)
Ganz anders Kurt Tucholsky: „Die Vergottung der Institutionen und ihrer Spielregeln ist etwas unsagbar Widerwärtiges“. Der kluge Bernd Heimberger jedenfalls hat ihm daraufhin nur eine einzige Frage gestellt: Wie er heute das Handeln von Nazijägerin Beate Klarsfeld bewertet – die 1968 den Bundeskanzler und Ex-Nazi Kiesinger geohrfeigt hat. Die Antwort von Kalinka muss man nicht interpretieren, sie ist selbsterklärend: “Das ist eine Respektlosigkeit.“  Heinrich Böll jedenfalls schickte ihr seinerzeit spontan 50 rote Rosen. Anno 2015 bekam Beate Klarsfeld gar für diese und andere „Respektlosigkeiten“ das Bundesverdienstkreuz überreicht.
Vom Grünen Kalinka jedenfalls haben wir gelernt: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht! Tomaten, faule Eier oder Ohrfeigen haben in einer Demokratie nichts zu suchen. Und sollte ein BER-Betroffener doch mal auf den Gedanken kommen, dem sogenannten“Schallschutz-Forum“ einen Besuch abzustatten, um einem der Minister eine Ohrfeige zu verpassen oder eine Torte ins Gesicht zu drücken – tut er gut daran, seine Vorstellungen von kreativem Widerstand „unbedingt“ vorab mit dem grünen Demokratie-Oberlehrer Kalinka abzugleichen. Wer mag schon ausgerechnet von Kalinka gescholten werden. Ansonsten ist Geduld gefragt, denn auf die Verleihung des „Verdienstordens der Großgemeinde Blankenfelde-Mahlow“ seitens einer Mehrheit im Kommunalparlament (Kalinka & Co.) wird der Betreffende dann wohl auch noch mal mindestens 30 Jahre warten müssen. Nicht aber auf rote Rosen, hoffentlich.

Die Grünen und der BER: Fakten statt Phrasen
Das Versagen Kalinkas und seiner Partei ist an dieser Stelle immer wieder zur Sprache gekommen.
Hätte er es nicht belassen können bei der Kritik an Gerrit Schraders NS-Vergleich und darüber hinaus besser geschwiegen? Dann jedenfalls hätte ihn jeder für intelligent gehalten. Sein „grünes“ Wort zum Sonntag aber und seine Weisheiten, sind windelweiche Weisheiten eines politischen Versagers, nimmt man die Interessen der BER-Betroffenen zum Maßstab.


Literatur / fakultativ:

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