Nachtrag: Vorbereitung Schallschutz-Musterverfahren gegen FBB GmbH

7. Juni 2015
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klaerwerk hat bereits am 19. Mai 2015 ausführlich darüber berichtet, dass der VDGN eine Musterklage gegen die FBB GmbH vorbereitet und auf breite Beteiligung seitens der Lärmbetroffenen hofft.
Wie VDGN-Präsident Peter Ohm in diesem Zusammenhang am 02.06.2016 berichtete hatte man die Frist 31.05.2015

  • „… speziell für die Teilnehmer der Veranstaltung Dahlewitz gesetzt um auch das Ergebnis zeitnah zu erfahren.
    Da aber eine Veranstaltung nicht ausreicht um die erforderliche Teilnehmerzahl zu erreichen werden weitere Veranstaltungen folgen. Da setzen wir dann eine 14-Tage Frist um auch hier zeitnah die Ergebnisse zu erfahren. (…) Wir wollen bis zu den Sommerferien unsere Teilnehmerzahl von 330 erreicht haben, ein sehr ehrgeiziges Ziel!“

Hier für alle Lärmbetroffenen ein Flyer zur Kenntnis den der VDGN gerade verteilt und versendet:

Auch wenn man einen Link zur Beteiligungsmöglichkeit (Beteiligungserklärung) an einer Klage gegen die FBB GmbH aktuell  noch vergeblich sucht auf der web-Seite der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow oder des BVBB – dem größten Zusammenschluss von BER-Betroffenen.
Erfreulich immerhin, dass der BVBB am 29. Mai 2015 erstmals seine Mitglieder über diese  k o s t e n g ü n s t i g e  Klagemöglichkeit informierte.

„VDGN und BVBB-Intitiative:
Am 11. Mai fand in Dahlewitz für die Bürger des Tagschutzgebietes der Südbahn, westlich der Start- und Landebahnen vom BER, erstmalig eine gemeinsame Informationsveranstaltung des VDGN und BVBB zum Schallschutz statt.
Auf der Veranstaltung wurde die nunmehrige Notwendigkeit weiterer juristischer Schritte gegen die FBB erörtert. Geplant sind – bei Beteiligung einer ausreichenden Zahl Betroffener – Klagen zu folgenden Konfliktpunkten: Innen- und Außendämmung, Wohnküchen/ Wohnräume < 10m², angeblich zu niedrige Raumhöhen, Wintergärten – die als Wohnfläche gelten.
Die Schalldämmlüfter sind dabei nicht enthalten, weil es dazu eine noch nicht entschiedene Klage der Gemeinde Blankenfelde gibt. Hier muss die Gerichtsentscheidung abgewartet werden.
Auch wenn Schallschutz ein Nebenkriegsschauplatz ist und wir nichtnachlassen, einen geeigneten Standort für den BER zu fordern, bitten wir um Solidarität und Unterstützung der Betroffenen bei den Problemen und Zumutungen im Zusammenhang mit dem angeblich „weltbesten Schallschutz“.

Zweifellos haben die meisten Lärmbetroffenen inzwischen Null Interesse, ihren Erfahrungskorridor noch weiter zu verbreitern hinsichtlich der ignoranten und anmaßenden Vorgehensweise der FBB GmbH auf dem „Nebenkriegsschauplatz Schallschutz“. Insofern dürfte die Erkenntnis:  hier hilft nur noch klagen – so neu nicht sein. Und sei es nur für das Fazit – alle Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben, um an den gesetzlich festgelegten Schallschutz bzw. die 30%-Entschädigung zu kommen, sollte der BER eröffnet werden.

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3 Responses to Nachtrag: Vorbereitung Schallschutz-Musterverfahren gegen FBB GmbH

  1. 7. Juni 2015 at 14:08

    was ist mit den Häusern, die direkt überflogen werden, aber dennoch nur Nachtschutz haben?
    warum wird nicht auch die Schalldämmung des Daches in die Klage mit aufgenommen?

    • Sigrid Zentgraf-Gerlach
      13. Juni 2015 at 16:34

      Lieber Gast59! Man mag es nicht glauben und es widerspricht eigentlich jeglicher menschlicher Vernunft, aber der Schutz für die Schlafbereiche im Falle des BER ist weit schlechter als der Tagschutz. Zunächst einmal zu dem Grund! Als der Planfeststellungsbeschluss (PFB) verfasst und in Mai 2004 zur Einsicht vorgelegt wurde, ging jeder davon aus, dass es am BER wie beim Flughafen Schönefeld einen durchlaufenden 24stündigen Flug-Betrieb geben wurde. Tagschutz und Nachtschutz waren damals genau gleich. In den PFB des BER wurden sehr hohe Lärm-Standards hineingeschrieben. (Weitgehend wurde beim PFB des BER der PFB des Flughafens München abgeschrieben.) Am 16. März 2006 kam dann mit dem Urteil zum PFB ein 5stündiges Nachtflugverbot. Deshalb musste für die Nachtzeit juristisch nachgebessert werden; es war der so genannte Planfeststellungsergänzungsbeschluss (PEB) erforderlich. Der war dann erst im Jahr 2009 fertig. In der Zwischenzeit erschuf der Gesetzgeber eine neues Gesetz, die 2. Fluglärmschutzverordnung, in denen der Schallschutz sehr viel schlechter und zu Ungunsten der Anwohner geregelt war als im PFB München und im PFB-Tagschutz BER. Die 2. Fluglärmschutzverordnung trat im Setpember 2007 in Kraft. Im PEB BER durfte sich dann nach der neuen Gesetzeslage gerichtet werden. Der PFB BER für den Tagschutz durfte nicht mehr verschlechtert werden, aber der PEB für den Nachtschutz durfte sehr viel mieser ausfallen. Deshalb haben wir heute am BER einen um vieles schlechteren Nachtschutz als den Tagschutz.

      Das „Schutzziel Nacht“ definiert sich laut Schallschutz-Broschüre des Flughafens wie folgt:
      „Für Schlafräume einschließlich der Übernachtungsräume in Beherbergungstätten innerhalb des Nachtschutzgebietes gemäß Lärmschutzkonzept BBI muss gewährleistet sein, dass durch An- und Abflüge am Flughafen im Rauminnern bei geschlossenen Fenstern und ausreichender Belüftung in der Durchschnittsnacht der sechs verkehrsreichsen Monate nicht mehr als sechs A-bewerte Maximalpegel über 55 dB(A) auftreten und ein für die Nachtstunden der sechs verkehrsreichsten Monate ermittelter energieäqivalenter Dauerschallpegel von 35 dB(A) nicht überschritten wird. Ist der gebotene Schallschutz nur dadurch zu bewirken, dass die Fenster der Räume geschlossen gehalten werden, ist für geeignete Belüftungseinrichtungen an diesen Räumen Sorge zu tragen.“

      Das heißt: Für den Nachtschutz muß Ihr Grundstück in einer Isolinie liegen, in der trotz 5 Stunden Flugverbot in der Nacht die Flugzeuge in den Randzeiten immer noch einen Dauerschallpegel von 35 dB (A) veranstalten als Voraussetzung für die Schallschutzberechtigung. Und dann ist es Ihnen zuzumuten, dass es 6 Flugzeuge geben darf, die sechs Mal lauter sind als 55 dB (A), also Schutz nach dem NAT 6. (Und Sie wahrscheinlich mehr oder weniger merkbar wecken werden!) Zur Erinnerung: In Ihrem Wohnzimmer, das dem Tagschutzziel genügen muss, dürfen die 55 dB (A) nahezu nie überschritten werden.

      In der Praxis ist es so, dass aufgrund dieser sehr weiten Bestimmungen nur höchstens in sehr alten Häusern mit sehr dünnen Scheiben aus der tiefsten DDR-Ära, in der aufgrund des Materialmangels nur Dünn-Glas verfügbar war, überhaupt einmal ein Fenster gewechselt werden muß.

      Faktisch bekommen alle im Nachtschutzgebiet aber den Einfach-Lüfter bewilligt, der nur Zuluft zuführt, keine Ablüftung vornimmt und die Wärme oder Kälte nicht moduliert, aber nur 275 EUR kostet statt 1.300 für ein Gerät nach dem Stand der Technik. Und wahrscheinlich auch den geltenden Gesetzen und DIN-Normen widerspricht! Ob er das tut, entscheidet das OVG wohl noch im Verlauf diesen Jahres, denn die Gemeidne Blankenfelde-Mahlow führt einen Prozess gegen diese Billig-Lüfter.

      Diese Simpel-Zulüfter sind so wenig tauglich, dass bspw. im Rhein-Main-Gebiet 56 Prozent der Berechtigten sie überhaupt nicht benutzen. Und die meisten anderen eher selten. Über Dach-Dämmungen braucht man in reinen Nachtschutzgebieten nicht wirklich nachzudenken; es ist abwegig zu meinen, dass die einzuhaltenden Schutzkriterien das wirklich hergeben.

      Wenn Sie mich fragen: Soll ich jetzt nachts zum Schlafen in mein Wohnzimmer umziehen? Meine Antwort darauf wäre: „Ja, wenn es Ihnen nichts ausmacht, dass es dort keine Art der Belüftung geben wird!“ Also beim BER müssen Sie sich entscheiden, ob Sie auf einer unbequemen Schlafcouch im Mief nächtigen wollen oder aber mit den erlaubten 6 nächtlichen Störungen in Ihrem Bett. Richtig u d perfekt liegen und ruhen tun Sie leider nirgendwo in Ihrem Haus!

      So viel zum Thema „Weltbester Schallschutz“ bzw. zur „Weltbesten und dreistesten Schallschutz-Lüge“!

  2. Sigrid Zentgraf-Gerlach
    13. Juni 2015 at 17:00

    Noch ein Nachtrag: Wer nur im Nachtschutzgebiet liegt, hat natürlich kein schallgeschütztes Wohnzimmer zum Ausweichen. Das geht nur, wenn die Menschen tagschutzberechtigt sind. Und diejenigen „Teilkasko-Berechtigten“, bei denen der Schallchutzanspruch auf 30 Prozent des Verkehrswertes herunter gekappt wird, müssen selbst entscheiden, wo sie sich schützen wollen und wo sie die Lücke im Schutz lassen.

    Uns allen geht es damit nicht wirklich gut.

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