zum Leserbrief „Dritte Startbahn wäre eine Chance zur Entlastung“ in der Zossener Rundschau vom 7. Juli 2015

In welchem Umfang eine Entlastung durch eine dritte Bahn möglich ist, hängt von deren Lage zu den bestehenden Bahnen ab. Je geringer Abstand und Versatz ausfallen, je geringer sind auch die Spielräume für eine Entlastung. Gleiches gilt auch bei weiter steigendem Aufkommen. Das alles bleibt also nur Spekulation, so lange keine konkrete Planung vorliegt. Deshalb ist der Verweis auf Flughäfen mit einem anderen Layout auch nicht wirklich hilfreich.Entscheidend aber bei allem ist, dass der Bau einer dritten Bahn den Standort Schönefeld auf Dauer zementiert.Trotzdem gibt es eine Möglichkeit zu einer Entlastung, nämlich durch die Offenhaltung von Tegel. Warum noch Milliarden für weitere Terminals in Schönefeld verplempern, wenn gleichzeitig mit der Schließung von Tegel die dortigen Kapazitäten dem Verfall preisgegeben werden?Zugegeben, der Weiterbetrieb von Tegel ist rechtlich problematisch, da die Öffnung des BER an die Schließung Tegels gekoppelt ist. Aber was bei etwas Phantasie so alles möglich ist, erleben wie gerade bei der Südbahn. Nur weil die nicht in voller Länge genutzt wird, tickt auch die Uhr für die Schließung von Tegel noch nicht. Und wenn schon Brandenburg so schäbig ist und derzeit seine Bauordnung anpasst, um die Baugenehmigung für das BER-Terminal zu retten, dann kann der Bund auch die rechtlichen Grundlagen zur Offenhaltung von Tegel schaffen.Als weitere Hürde erweist sich aber auch das Fluglärmgesetz mit seiner Sonderregel für Tegel. Danach ist für Flughäfen, die innerhalb der nächsten zehn Jahre geschlossen werden, kein Schallschutz vorzusehen. Diese Schonfrist läuft je nach Quelle 2017 bzw. 2019 aus. Ab dann muss auch für Tegel Schallschutz nach Maßgabe des Gesetzes gewährt werden.

Aber auch hier kann etwas Phantasie schon helfen. So könnte man das bestehende Nachtflugverbot in Tegel um eine auf acht Stunden erweitern. Dann würde sich nach der Systematik des Fluglärmgesetzes das Gebiet für den nächtlichen Schallschutz auf Null reduzieren. Was bliebe, wären nur kleinere Tag-Schutzzonen mit geringeren Anforderungen. Sofern hier dann noch Schallschutz zu finanzieren ist, könnte man sich eines Teils der in Schönefeld eingesparten Mittel bedienen.

Letztlich gilt bei dem Ganzen auch hier das Wort der Kanzlerin zum Griechenland-Drama: “Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!”.