Zu „Wer sich nicht wehrt …“ (vom 11.09.2015): Solche Schnüffler hätte die Stasi gebraucht

13. September 2015
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Enttäusch sein? Enttäuscht über den Ausgang Pappschik ./. Baier? Mit Sicherheit ja! Mit Sicherheit nicht deswegen, weil wir (mein Mann) dahingehend aufgefordert wurde, die Klage zurückzunehmen. Nein, das Enttäuscht-sein betrifft das Ergebnis und wie es dazu kam.
Die ersten Sätze des Richters waren Feststellungen, dass diese Klage nicht vor dem Verwaltungsgerichte verhandelt werden sollte, also, wir saßen am falschen Ort. Nach einem Hin und Her zwischen Zossen und Potsdam entschied man sich letztendlich, die Angelegenheit hier zum Abschluß zu bringen. Ich ahnte (als Zuschauerin) schon in diesem Moment, was geschehen würde. Dann die Feststellung, nach einem Jahr, was soll das bringen? Mein Mann sei doch an die Öffentlichkeit gegangen (unser Anwalt und mein Mann versuchten zu erklären, dass bereits nach wenigen Tagen der E-Mail an meine Frau) wir schon auf der Straße von Bürgern angesprochen wurden und es somit bereits in der Öffentlichkeit war. Da mein Mann von den Gemeindevertretern als Mitglied im Aufsichtsrat der WOBAB gewählt wurde, sah er es als seine Pflicht an, diese zuerst darüber zu informieren, zumal in der Mail von O. Baier die „Drohung“ ja kam, – er wäre leider gehalten, im Rahmen einer offiziellen Anfrage im September die Angelegenheit in die GV zu tragen- . Das tat mein Mann genau in dieser GV um den Mitgliedern zu sagen, er war nicht „stasibehaftet“.
Nach Feststellung des Richters, O. Baier hätte es ja nicht behauptet, es wurde ihm zugetragen und er wollte ja nur nachfragen. Hallo, nachfragen? Das Recht hat auch ein O.B. lt. „Handreichung zur Überprüfung von Angehörigen …… auf hauptamtliche oder inoffizielle Mitarbeit für den Staatssicherheitsdienst der DDR“ nicht. Das war aber alles nicht wichtig und stand auf keinen „Tagesordnungspunkt“. Nun nach einem Jahr,, selber die Verdächtigungen öffentlich gemacht, dass waren die entscheidenden Faktoren für den Richter. Nicht mehr und nicht weniger. Paar kurze Worte an unseren Anwalt, er solle seinen Mandanten erklären, dass er keine Chance hat, die Klage zu gewinnen, diese wird abgelehnt. Klare Worte! Mir war klar, die Angelegenheit war bereits entschieden, bevor sie eigentlich angefangen hat. Nach einem kurzen unter Vier-Augen Gespräch (der Anwalt und mein Mann), hat mein Mann die Klage zurückgenommen.
Natürlich war es nicht erfreulich, aber nach all dem was wir da gehört haben, wohl die beste Entscheidung.
Dann die überaus freundlichen Worte des Richters, man möge doch versuchen, miteinander freundlich umzugehen, also auf gut deutsch, Kinder, macht Euch das Leben doch nicht so schwer. Die Welt war in Ordnung, so wunderschön kamen die Worte rüber. Ich glaubte, ich war im falschen Film. Die Schlussworte des Richters müssen O. Baier doch wohl so zu Herzen gegangen sein und er wagte es, meinem Mann die Hand reichen zu wollen. Mir war nur noch übel.
Noch eine kurze Bemerkung: Selbstverständlich macht es mich schon ein wenig stolz, dass mein Mann nicht für die Staatssicherheit gearbeitet hat. Traurig und entsetzt bin ich, feststellen zu müssen, dass nach 25 Jahren Wiedervereinigung nach wie vor Schnüffler tätig. Tätig als Schnüffler, die kraft ihrer Wassersuppe eine Rechtfertigungsfrist bis zum Soundsovielten setzen, aber eigentlich „nur“ nachfragen wollen. Schnüffler, die in diesem Fall nicht aus der ehemaligen DDR kommen. Da sage ich mir, solche Leute hätte die Stasi gebraucht, mit Sicherheit!

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5 Responses to Zu „Wer sich nicht wehrt …“ (vom 11.09.2015): Solche Schnüffler hätte die Stasi gebraucht

  1. Wolfgang
    14. September 2015 at 08:18

    „Da sage ich mir, solche Leute hätte die Stasi gebraucht, mit Sicherheit!“

    Was soll denn das für eine Aussage sein? Wozu hätte die Stasi solche Leute gebraucht? Um das Volk noch besser bespitzeln zu können?
    Hat die Stasi nicht schon genug Schaden und Leid verursacht, auch ohne noch mehr Leute.

    Schlimm, dass ich heute nach 25 Jahren noch solche Äußerungen lesen muss!

  2. Hannelore Pappschik
    14. September 2015 at 09:01

    Ja, Wolfgang, dass ist meine Meinung, genau so wie Sie es in -„Anführungsstriche“ geschrieben haben, habe ich es auch gemeint. Ich wollte damit sagen, schlimm, dass es nach 25 Jahren immer noch diese „Schnüffler“ gibt. Wo krampfhaft nach etwas gesucht wird, was nicht der Wahrheit entspricht. Davon betroffen zu sein, ist wahlrlich kein „Kavaliersdelikt“, dass können Sie mir gern glauben. Nähere Erfahrungen, die wir machen mußten, möchte ich nicht weiter erläutern. Nicht mehr und nicht ist dazu zu sagen.

  3. Andrea Hollstein
    14. September 2015 at 09:03

    Das für Pappschiks und mich Schlimmste an dieser Angelegenheit ist, dass Herr Pappschik zwar beweisen konnte, dass er nichts mit der Stasi zu tun hatte, aber die Gerüchte trotzdem in den Köpfen vieler Menschen hängen bleiben. Das Gerücht zählt mehr als die Wahrheit.

  4. d.u.chr.schoe
    16. September 2015 at 10:24

    warum heute noch darüber labern der bm ist doch nur der bestbesoldete blumenbote laut maz
    schoechi

  5. Magnus Muschiol
    23. September 2015 at 20:06

    Erst einmal meine Hochachtung, Dieter und Hannelore, dass Ihr Euch diesem Verfahren ausgesetzt habt.
    Natürlich muss mann wissen: Richterämter werden in Deutschland, ganz besonders in Brandenburg, politisch besetzt. In der Regel hat man den Richter als Gegner. Einen Prozess gegeen ein Amt oder Politiker zu führen, heißt Krieg führen. Politikergesindel ist darin geübt. Der normale Bürger scheut sich vor deren Methoden. Zu deren Vorteil. Aber Auseinandersetzungen können auch ausserhalb der Gerichte ausgetragen werden. Man muss es nur wirklich wollen. Dann hat auch Gesindel keine Chance.

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