BER-Schallschutz: Kein Platz für Kuhhandel oder Kompromisse!

7. Dezember 2015
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Da gibt es auf der einen Seite einen Schadenverursacher und auf der anderen Seite jemand, der die Aufgabe hat, den entstandenen Schaden nach Recht und Gesetzt zu regulieren. Wenn aber der Schadenverursacher mit dem Schadenregulierer identisch ist – man stelle sich das bei einem privaten Kfz-Haftpflichtschaden vor – können sich nur noch ganz Naive über die jahrelangen FBB-Praktiken im Umgang mit  Fluglärm-betroffenen Bürgern wundern.
Zu den juristischen, finanziellen und personellen Interessenverflechtungen rund um den BER hat darüber hinaus bereits M. Stefke am 29.01.2012 Wichtiges gesagt, in seinem Kommentar unter dem Beitrag von Prof. Augustin. Wir bewegen uns nach Ansicht von Jürgen Roth schlicht im Bereich der „organisierter Wirtschaftskriminalität“. Sie kriegen den Schallschutz nicht auf die Reihe? Sie wollen ihn nicht auf die Reihe kriegen!

„Fortschritt oder Stagnation“ titelte die Maz dazu kürzlich und fragte zum 999 Mal: „Kommt nun tatsächlich Bewegung in den Schallschutz am BER?“ Eine aktuelle Antwort konnten ihre Leser in der Ausgabe vom 3. Dezember nachlesen:

Cartoon

M.Schilling, J. Blum –  Lappan Verlag 2014, 8,95 €

Wäre der BER demnach wie geplant in 2012 eröffnet worden, würde eine Mehrheit der Betroffenen seit 3 Jahren ohne Schallschutz da stehen. Wenn ein Carl Ahlgrimm, Bürgermeister von Großbeeren – der kürzlich mit dem Versuch scheiterte, Tafelsilber bzw. 51% der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft an einen Großinvestor zu vertickern – im Zusammenhang mit dem BER-Dialog-Forum meint: nach acht Jahren vergeblicher Arbeit in diesem Forum kann man schon ein wenig pessimistisch werden, aber er würde trotzdem weiter mitmachen, dann muss man sich aus medizinischer Sicht schon fragen: Hat dieses Verhalten Krankheitswert?  „Es lohnt sich immer miteinander zu reden,“ so Ahlgrimm zur Maz – und nicht etwa der Wolf zu den Schafen. Für ihn wäre der Schritt von Ortwin Baier, Bürgermeister von Blankenfelde-Mahlow, der diese Veranstaltung inzwischen boykottiert, nur die allerletzte Option.
Doch was sind Ahlgrimm & Co. im Dialog-Forum anderes als Komparsen in einem Stück, in dem sie eigentlich Regie führen sollten? Regie für die Bürger, für deren Interessen sie per Amtseid gerade zu stehen haben. Vielleicht findet sich ja eine BI, die den Herrschaften zur weihnachtlichen Bescherung das nebenstehende Büchlein schickt – sozusagen als „allerletzte Option“. Oder ihnen zur Verdeutlichung der Botschaft, um die es hier geht,  das jüngste Buch von IBM-Manager Gunter Dueck zukommen läßt: „Schwarmdumm: So blöd sind wir nur gemeinsam“.

Ansonsten nehme man nur die aktuelle Presseverlautbarung des Dialog-Forums. Nach r i c h t e n, nach denen wir uns  r i c h t e n  sollen? Propaganda zum Ausspucken? Aber nein, dass Universum hat viel Humor. Es geht darum, dass wir erkennen, was für ein Spiel hier läuft und das wir es durchschauen. Wie Christine Dorn, die BVBB-Vorsitzende!? Für sie hat es Methode, dass „die brandenburgische Landesregierung als Gesellschafter des Flughafens nicht strikter durchgreift“ bei der Lösung der Schallschutzprobleme.

Doch dann wird es verwirrend, um es behutsam zu formulieren. Wenn sie vor dem Hintergrund dieser Erkenntnis im gleichen Atemzug erklärt, sie würde gerne im Dialog-Forum mit am Tisch sitzen. Denn es gäbe unter den Bürgern „Experten für Schallschutz, die so keine Möglichkeit bekämmen, ihre Erfahrungen den Vertretern der Landes und Bundespolitik vorzutragen.“ Und weiter Frau Dorn: „Mir ist das Wort Kompromiss nicht fremd. Ich weiß aber, was einen Kompromiss von einem Kuhhandel unterscheidet.“
Doch was ein Kompromiss und ein Kuhhandel gemeinsam haben, blendet sie augenscheinlich aus. Denn vor dem Hintergrund der eingangs geschilderten Zustände und Interessenverflechtungen ist  j e d e r  Kompromiss ein Kuhhandel! Eine Behandlung der Betroffenen nach Recht und Gesetz gibt es nicht auf Raten! Eben deshalb sagt die Mehrheit der Betroffenen inzwischen nach jahrelangen Ping-Pong mit der FBB: „Jetzt reicht´s. Wir werden uns dem, was auf  eurem Spielfeld „Methode“ hat, nicht fügen. Wir sehen uns zu gegebener Zeit vor Gericht.“ „Erst 110 von 12000 Anträgen umgesetzt“  – ist diese Sprache noch immer nicht deutlich genug?

„Sind wir hier im Mafia-Film oder bei der FiFa, oder was?“ Mit dieser Frage bezieht jemand öffentlich Haltung. Das sind deutliche, klare Worte. Aber nicht etwa von C. Dorn, sondern in diesem Fall von VDGN-Verbandschef Ohm im Zusammenhang mit dert kürzlich bekannt gewordenen „Verabredung einer Straftat“, pardon – mit möglichen Absprachen zwischen FBB und dem brandenburgischen Innenministerium.
„Es sei höchste Zeit“, so hingegen die BVBB-Vorsitzende – „dass die Bürgervertreter endlich am Dialog-Forum beteiligt werden.“ Endlich mit am Katzentisch sitzen dürfen? Getreu dem olympischen Motto: Dabei-sein ist alles? Und dann? Dann endlich erfahren die einschlägig Verdächtigen dort, was sie bislang noch nicht wissen konnten? Lösen sich der eingangs geschilderte, strukturelle  Webfehler mitsamt allen juristischen, politischen, finanziellen Abhängigkeiten und Interessenverflechtungen in Wohlgefallen auf, wenn der BVBB auf  d i e s e s  Spielfeld aufläuft?
Beim Schallschutz, der den BER-Betroffenen gesetzlich zusteht, ist nicht ein Millimeter Platz für Kuhhandel oder Kompromisse!

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