VE München Ost: Die Unwirklichkeit der Wirklichkeit – Bayerische Impressionen

16. März 2016
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Das bayerische Zorneding ist tief gespalten. 2014 kam es wegen der Unterbringung von 35 minderjährigen Flüchtlingen zu Auseinandersetzungen; eine Schule, die ein Hilfsprojekt erarbeitete, wurde mit fremdenfeindlichen Mails bombardiert. Auf einer Versammlung erteilte Bürgermeister Verwaltungsleiter Mayr(CSU)  im November 2015 Flüchtlingshelfern unter Verweis auf die Gemeindeordnung Redeverbot, wofür er lauten Beifall erhielt.

Nach rassistischen Entgleisungen von CSU-Ortshonorationen gegenüber dem katholischen Pfarrer Oliver Ndjimbi-Tshiende –  geriet die Gemeinde kürzlich Deutschland-weit in die Schlagzeilen. Bürgermeister Piet Mayr bedauerte kurz darauf „diese Vorgänge zutiefst“.

Um das Bedauern des CSU-Bürgermeister besser einordnen zu können, ist es vielleicht hilfreich zu wissen, dass er auch  einer von 13 Verwaltungsräten des gemeinsamen Kommunalunternehmens (gKU) VE München Ost, ist. Der Vorstand und seine Frau, Personalleiterin im gleichen Unternehmen, haben sich „etliche Vergünstigungen gegönnt“. Im Ergebnis sind beide raus geflogen.
„Alle erforderlichen Schritte wurden in die Wege geleitet,“ hieß es seinerzeit vom, Vorsitzenden des Verwaltungsrates, Piet Mayr. Nur für denjenigen  Mitarbeiter, der diese Vorgänge öffentlich machte und sich hilfesuchend an ihn wandte, mochte er  nichts „in die Wege leiten“, gemäß seiner Fürsorgepflicht. Er „ließ es geschehen“, dass man diesem übel mitgespielte, bis er nach fünf Abmahnungen gekündigt wurde. Wegen Mobbing! Denn wer solche Zustände öffentlich macht, betreibt Mobbing. Oder? Verwaltungrat Mayr hätte sich für diesen Mitarbeiter einsetzen können, hat er aber nicht.
Bürgermeister Piet Mayr und die übrigen Ortshonorationen, hätten sich für den aus Kongo stammenden Pfarrer Oliver Ndjimbi-Tshiende einsetzen können, haben sie aber nicht. Doch sie bedauern zutiefst …

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One Response to VE München Ost: Die Unwirklichkeit der Wirklichkeit – Bayerische Impressionen

  1. 20. März 2016 at 22:09

    Ein sehr guter Bericht, den ich als Vertrauter des Gekündigten voll unterschreiben kann. Ich war bei der Verhandlung im Arbeitsgericht dabei; erlebte eine vollkommen überforderte Verteidigerin, … Ich habe den Bericht zur Vorlage genommen, nur einige Gedanken hinzugefügt. Im Endeffekt geht es um die Frage, was man tun kann; evtl. auch die größeren Medien aufmerksam zu machen, und die kommunale Politik damit unter Zugzwang zu bringen.

    Der Fall VE München-Ost im Kontext der Vorfälle von Zorneding
    siehe http://www.klaerwerk-blog.de/2016/03/16/die-unwirklichkeit-der-wirklichkeit-bayerische-impressionen/ von Jörg Bunk
    Das bayerische Zorneding ist tief gespalten. 2014 kam es wegen der Unterbringung von 35 minderjährigen Flüchtlingen zu Auseinandersetzungen; eine Schule, die ein Hilfsprojekt erarbeitete, wurde mit fremdenfeindlichen Mails bombardiert. Auf einer Versammlung erteilte Verwaltungsleiter Mayr (CSU) im November 2015 Flüchtlingshelfern unter Verweis auf die Gemeindeordnung Redeverbot, wofür er lauten Beifall erhielt.
    Nach rassistischen Entgleisungen von CSU-Ortshonorationen gegenüber dem katholischen Pfarrer Oliver Ndjimbi-Tshiende – geriet die Gemeinde kürzlich deutschlandweit in die Schlagzeilen. Bürgermeister Piet Mayr bedauerte kurz darauf „diese Vorgänge zutiefst“.
    Um das Bedauern des CSU-Bürgermeister besser einordnen zu können, ist es vielleicht hilfreich zu wissen, dass er auch der Verwaltungsratsvorsitzender eines kommunalen Unternehmens, nämlich der VE München-Ost ist. Dessen Leiter und dessen Frau, Personalleiterin im gleichen Unternehmen, hatten sich der Selbstbereicherung auf Kosten der 13 Mitgliedsgemeinden schuldig gemacht. Bevor die beiden aufgrund der Vorwürfe vom Vorstand des kommunalen Unternehmens fristlos gekündigt wurden, hatte dieser für die Kündigung jenes Mitarbeiters gesorgt, welche die Vorfälle etwa über den Bund der Steuerzahler öffentlich machte.
    „Alle erforderlichen Schritte wurden in die Wege geleitet,“ hieß es seinerzeit von Verwaltungsrat Mayr und „Wir halten uns Schadensersatzforderungen offen“. Nur den Mitarbeiter, der diese Vorgänge öffentlich machte und sich danach hilfesuchend an ihn wandte, hat er bis heute gemäß seiner Fürsorgepflicht nicht im Blick. Piet Mayr ließ es geschehen, dass man diesem übel mitspielte, bis er nach fünf Abmahnungen gekündigt wurde, und Piet Mayr versteht auch nach dessen Kündigung durch den Unternehmensleiter nicht, nachdem sich die Kündigungsgründe allesamt als falsch herausgestellt haben, dass er nun gern an seinem Arbeitsplatz weiterarbeiten möchte.
    Piet Mayr versteht weder die Situation des Gekündigten, der sich inzwischen von einer prekären Beschäftigung zur nächsten hangelt, um dabei immer verbitterter festzustellen, dass die Menschen auf den Bürgermeisterstühlen keine Ahnung darüber haben, wie das in der heutigen Zeit läuft.
    Wegen Mobbing wurde er damals von seinem Chef gekündigt! Denn wer solche Zustände öffentlich macht, betreibt Mobbing. Oder?
    Verwaltungrat Piet Mayr hätte sich für diesen Mitarbeiter einsetzen können, hat er aber nicht. Er und seine 12 Kollegen der VE hätten dem Gekündigten dankbar sein müssen, dass er die Mißstände öffentlich gemacht und den 13 Gemeinden viel Geld und Ärger erspart hat. Das hat er und seine Kollegen aber bis heute noch immer nicht begriffen. Stattdessen soll der zu unrecht Gekündigte endlich Ruhe geben; zur Not mit Hilfe eines richterlichen Hausverbots.

    Bürgermeister Piet Mayr und die übrigen Ortshonorationen, hätten sich für den aus Kongo stammenden Pfarrer Oliver Ndjimbi-Tshiende einsetzen können, haben sie aber nicht. Doch sie bedauern zutiefst. Welche schöne Parallelen in Zorneding. Zufall?

    Zuletzt ein paar Fragen:
    In welchem Milieu blüht Vetternwirtschaft, Korruption und Selbstbereicherung?
    Welches Selbstverständnis von Oben nach Unten geht dem voran?
    Hat nicht die selbe Elite aus Parteien dafür gesorgt, dass durch die Liberalisierung des Arbeitsmarkts Billiglohn und prekäre Beschäftigung entstanden sind, die Reaktionen zu unrecht gekündigter Mitarbeiter entsprechend deutlich gegen die politischen Ebenen verständlich wird.

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