Wohl zur Ablenkung kommt die Zuschrift zunächst recht unbedarft daher, offenbart aber im weiteren Verlauf genaue Kenntnis von Vorgängen in Gemeindevertretung und Verwaltung. Die Vermutung liegt deshalb nah, dass ihr Urheber auch in diesem Kreis zu suchen ist.

Ein erster Anhaltspunkt

Auch meine Wenigkeit wird mit einem Satz vom anonymen Schreiber bedacht. Dazu:

Des Weiteren verstehe ich nicht wie aktuell Herr Schrader sich über 50.000? für eine Asphaltdecke aufregt und die Tatsache weglässt, das der ÖPNV diesen Platz sonst nicht mehr angefahren wäre aufgrund seines Zustandes (somit also eine Notwendigkeit bestand, aber dies passt nicht ins Weltbild der Klärwerk-Schreiber…da muss der Sündenbock in Form des Bürgermeister für alles herhalten).

Diese Aussage ist insoweit bemerkenswert, als sie den Kreis der potentiellen Täter einschränkt. Denn die Tatsache, dass „der ÖPNV diesen Platz sonst nicht mehr angefahren wäre aufgrund seines Zustandes“ ist Wissen aus der Verwaltung. Die Vorlage I/B 10/2015 zur Änderung der Haltestellenregelung verliert über die Drohung der VTF nämlich kein Wort. Dort heißt es nur:

„Seitens des Verkehrsunternehmens VTF wurde in den vergangenen Jahren wiederholt die Bitte an die Gemeinde herangetragen, eine optimierte Haltestellenregelung zu errichten.“

Ich kann mich auch noch an den TOP 11 der Sitzung der Gemeindevertretung am 24.09.15 erinnern, als über die Vorlage beraten wurde. Die Stellvertretende Bürgermeisterin, Frau Dzikowski, führte dazu ein. Auch hier kam die VTF-Drohung nach meiner Kenntnis nicht zur Sprache. Im Protokoll heißt es dazu lapidar:

„Sowohl VTF als auch der Ortsbeirat haben immer wieder eine temporäre entspannende Lösung angemahnt.“

Gut erinnern kann ich mich noch an meine Frage, ob die Stellplätze nicht in Konflikt mit der Rathausplanung stünden, was Frau Dzikowski bejahte. Auf weitere Nachfrage, welchen Sinn es da mache, jetzt noch 50.000 Euro dafür auszugeben, obwohl doch wegen der auslaufenden Gültigkeitsdauer der Baugenehmigung nun bald mit dem Bau des Rathauses begonnen werden müsse beziehungsweise ob man sich denn schon innerlich von dessen Bau verabschiedet habe, kam Frau Dzikowski dann gar nicht mehr zu Wort. Denn in dem Moment sprang ihr der Bürgermeister bei und giftete geradezu herum, ich hätte doch gehört, was seine Stellvertreterin zuvor gesagt habe, nämlich dass es sich um provisorische Stellplätze handeln würde usw. usf. und natürlich halte man am Bau des Rathauses fest.

Die eigentliche Frage nach dem Sinn der 50.000 Euro blieb an dem Abend unbeantwortet. Das hat nun der Verleumder nachgeholt. Die 50.000 Euro waren notwendig, weil die VTF „diesen Platz sonst nicht mehr angefahren wäre aufgrund seines Zustandes somit … also eine Notwendigkeit bestand“.

Millionenschaden, Miete, Anwalt, Baukosten

Und ein weiterer Punkt kommt bekannt vor. Der Verleumder schrieb nämlich auch,

„… das andere Menschen durch Stellen ihrer ständigen Strafanzeigen gerade auch in Bezug auf das Rathaus MILLIONEN-Schaden verursacht haben. Alleine was die Verzögerung und die damit verbundene Miete die Verwaltung gekostet hat. Ganz zu schweigen von den Anwaltskosten. Und vermutlich wird aufgrund der vergangenen Zeit natürlich auch der Bau an sich nicht mehr zu den damaligen Kosten realisiert werden können.“

Diese Argumente aber liegen nun auf ganzer Linie von Bürgermeister Ortwin Baier. Denn der behauptete in der MAZ vom 15.10.2015 so ziemlich genau das Gleiche. Danach habe die BVBB-WG

„… der Gemeinde einen Schaden von zwei Millionen Euro verursacht – für Anwaltskosten, Anmietung zusätzlicher Räume und durch allgemeine Baukostensteigerungen.“

Im Einzelnen hier nochmals nachzulesen.

Abspann

Wie heißt es noch: Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.
So ist es auch hier. Auf keinen Fall setze ich Verleumder und Bürgermeister gleich. Denn sonst würde es mir wohl bald so ergehen, wie Dieter Pappschick in dem kommunalen Drama Einschüchterung mit den Mitteln des Rechststaats.

Vorlage I/B 10/2015, Änderung Haltestellenregelung VTF Mozartweg/Karl-Marx-Straße, Blatt 1

Vorlage I/B 10/2015, Änderung Haltestellenregelung VTF Mozartweg/Karl-Marx-Straße, Blatt 1