Aufstand der Demokraten oder Rebellion der Besengten?

28. Februar 2017
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Die Toleranz der Rangsdorfer gegenüber politischen Abenteurern schien fast grenzenlos.
Jahrelang konnte sich dort in aller Öffentlichkeit die Kreisleitung einer Partei treffen, deren Mitglieder es mit den Gesetzen nicht so genau nahmen. Der TF-Kreisvorsitzende, ein durchaus arbeitsfähiger Hartz-4-Empfänger, die Beisitzer: ein ehemaliger hauptamtlicher Mitarbeiter der Staatssicherheit und Wahlbetrüger, eine Urkundenfälscherin. Das noch garniert mit einem wegen psychischer Indikation frühverrenteten Beamten, welcher schon mal (damals noch FDP) Gesprächsrunden mit einem drogenabhängigen Förderer der Prostitution organisierte. Nicht zu reden vom stellvertretenden Vorsitzenden, der sofort, nachdem seine Frau die Probezeit im öffentlichen Dienst absolviert hatte, seine Rangsdorfer Klempnerbude dicht machte, um sich auf das von ihm erhoffte Landtagsmandat vorzubereiten. Konnte man von solch einem Verein Gutes erwarten?

Trotzdem konnten diese Treffen der Kreisleitung der Piraten TF stattfinden, ohne dass die wahren Demokraten Rangsdorfs plus ihre ortsfremden Organisatoren vor dem Waldrestaurant demonstrierten. Denn die Partei hatte nochmal die Kurve gekriegt und jedem, der es wissen wollte, oder auch nicht, erklärt, dass sie pluralistisch, antifaschistisch, anti-antisemitisch, links, liberal, ökologisch, transgender, migrantenfreundlich, für abgelegte Grüne offen, gaga und vegetarisch sei.

Auch dass unsere geliebten Flüchtlinge durch die Kreisverwaltung als Menschen zweiter Klasse behandelt werden, stört die wackeren Rangsdorfer nicht. Die Verwaltung legte, unter Federführung von Landrätin Wehlan und unter Duldung des Kreistages mit seinem Vorsitzenden Kalinka, fest, dass Standards für Gemeinschaftsunterkünfte für die Flüchtlingsheime nicht gelten. Das fiel auf, als eine versehentlich nicht angemeldete Abordnung des Gesundheitsamtes Teltow ein Flüchtlingsheim in Luckenwalde besichtigte und dort unhaltbare hygienische Zustände vorfand.

Toleranz gilt nicht für alle

Am 29. Januar aber gab es einen schweren kollektiven Rückfall in die Vergangenheit. Nach Aufrufen durch die Kreisvorsitzende der Grünen, Ruth Wagner, und den Gemeinderatsvorsitzenden Jan Hildebrandt, demonstrierten etwa 120 Rangsdorfer gemeinsam mit solchen bekannten Freunden der Informationsfreiheit wie Gerhard Kalinka gegen eine AfD-Versammlung im Seehotel. Die mitgeführten Losungen hätten auch aus der Feder Erich Mielkes stammen können. „Wir sehen, was du tust, wir hören, was du sagst“. Passend dazu war, wie früher zum 1. Mai, ein Großteil der Gemeindeverwaltung brav dem Aufruf gefolgt.

Theologisch haben die Grünen Nachholbedarf. Eigentlich heißt es Taizè. Foto: privat

Hinterher rief Wagner zum Boykott des Seehotels auf. Konsequenterweise hätte sie auch die Parole kleben können: „Kauft nicht beim Lohbeck“. Mit dieser primitiven Hetze gegen eine demokratisch legitimierte Partei hat sich Wagner als Leiterin des Rechtsamtes der Kreisverwaltung TF disqualifiziert.
Den hiesigen Gemeindevertretern wird noch in Erinnerung sein, wie primitiv Kalinka in der Geweindeversammlung Blankenfelde-Mahlow gegen Dr. Hahn pöbelte, der eine sehr ausgewogene Erklärung zur Flüchtlingsunterbringung in Blankenfelde verlesen hatte.

Predigt der Intoleranz

Mit von der Partie war auch die Pfarrerin Susanne Seehaus. In ihrer Predigt, an der viele der demonstrierenden Atheisten brav teilnahmen, faselte sie von dem Antisemitismus Luthers. Diese geistige Diarrhoe wurde von den politisch Korrekten begierig aufgesogen. Seehaus scheint entgangen zu sein, dass es Martin Luther war, der spirituelle Freiheit in politischer Knechtschaft predigte.
Genau das versuchen armselige Demagogen wie Kalinka und Wagner umzudrehen; in geistige Knechtschaft in politischer Freiheit. Schöne Aussichten im Lutherjahr!

Der Wissenschaftler Norbert Bolz (TU Berlin) schrieb dazu: „Wenn die veröffentlichte Meinung in unserer Gesellschaft gesprochen hat, bringt kaum mehr jemand den Mut zum Widerspruch auf. Ihr Druck ist so groß, dass gesetzlicher Zwang vielfach überflüssig wird. Niemand wagt es, einem unabhängigen Gedankenzug zu folgen. Deshalb gibt es auch keine großen Denker mehr. Abweichende Meinungen, die sich doch noch aus der Deckung wagen, werden sozial bestraft.“

Einer der Lieblingslosungen der Bürgerbewegung in der DDR war das Rosa-Luxemburg-Zitat „Freiheit ist immer die der anders Denkenden.“
Mit der Interpretation dieser eigentlich simplen Erkenntnis scheinen einige Rangsdorfer jedoch Schwierigkeiten zu haben.

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