Rathaus-Pleite: Wenn Fakten egal sind

20. August 2017
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VIC-Geschäftsführer mühte sich am 17. August per Maz die Öffentlichkeit glauben zu machen:

„… an den von der Gemeinde erhobenen Schmiergeldvorwürfen sei nichts dran. Das ist totaler Blödsinn. Es gab keine Korruption. (…) Dass es nun voraussichtlich nicht kommt (VIC-Rathausprojekt, jb), liege daran, dass einige Gemeindevertreter Unwahrheiten verbreitet hätten. Abraham ist sich sicher, dass ein künftiges Rathaus doppelt so teuer wird, wie das geplante.“ 

Das ist widersprüchlich. Schlau wird der Leser  dieses Beitrages jedenfalls nicht bezüglich der Frage: Hat „die Gemeinde nun Schmiergeldvorwürfe gegenüber VIC erhoben“?
Oder haben nur „einige Gemeindevertreter Unwahrheiten verbreitet“? Welche? Und  d i e  sind jetzt Schuld daran, dass „es voraussichtlich nicht zum VIC-Rathausprojekt kommt“? Sonst niemand? (Gemeinde stoppt vorerst Rathausneubau, Maz 15, Juni 2012 / MAZ 22.9.12 Rathausbau  gestoppt)

Wenn der VIC-Geschäftsführer in der Maz erklärt, an den von der Gemeinde erhobenen Schmiergeldvorwürfen sei nichts dran, es gab keine Korruption – erhebt sich die Frage, warum er nicht juristisch gegen die Gemeinde vorgeht wegen unwahrer „Schmiergeldvorwürfe“?  Beziehungsweise gegen „einige Gemeindevertreter, die Unwahrheiten verbreitet hätten.“ Ist er nicht  verpflichtet, Schaden von dem Unternehmen abzuwenden, welchem er als Geschäftsführer vorsteht?

Auch wenn sie den Abraham, Baier und Co. egal sind, die Fakten sind bekannt und für jeden in der Presse und im Netz nachzulesen.
Insofern dürfte es sich  im Vorfeld der Gemeindevertretersitzung um die übliche Rollenverteilung unter den einschlägig Verdächtigen handeln. Auf der eine Seite sind da ein Bürgermeister, welcher die Sache maßgeblich in den Sand gesetzt hat – sowie ein VIC-Manager, der sich einem Korruptionsverdacht nur schwerlich entziehen kann. Jetzt, nachdem das Rathausprojekt zur Luftnummer geworden ist, vergießen beide Krokodilstränen. (Maz 28.02.2017 Planer bedauert AUS für Rathaus-Projekt)
Auf der anderen Seite gibt es Bürger und Wähler, die von ihnen dumm gehalten werden. Dazwischen anständige Gemeindevertreter, die zur Verschwiegenheit verpflichtet sind, weil die Wahrheit bislang nur im nichtöffentlichen Sitzungsteil des Kommunalparlaments zur Sprache kam.

Übrigens, hinter der Erklärung von VIC-Geschäftsführer Abraham

„Mit dem Rathaus habe man einen Präzedenzfall schaffen wollen, um zu zeigen, dass Ingenieure ein solches Projekt beherrschen.“

verbirgt sich eine weitere Wahrheit:
Der Beratervertrag, auf den Bürgermeister Baier seinerzeit trotz warnender Stimmen gemeinsam mit den Fraktionen SPD, LINKE, CDU, Grüne – in seeliger Experten-Gläubigkeit– raufgehüpft ist, wie der Igel auf die Haarbürste – war  ü b e r f l ü s s i g. Wenn also die Rede von einem finanziellen Schaden ist, der im Zusammenhang mit diesem Projekt angerichtet wurde, sind auch dessen Kosten einzubeziehen. Überflüssige Kosten, nachdem WOBAB-Geschäftsführer Bachmann sich damals geweigert hat, in einen solchen Beratervertrag einzutreten und es ablehnte, unter dieser Bedingung das Rathaus zu bauen.
Eine späte Genugtuung für den fachlich und menschlich Integeren. Denn sollte es zu einem neuen Rathausprojekt kommen, dürfte eines schon heute klar sein: einen neuen Beratervertrag mit einem sechsstelligen Honorar wird es nicht geben.
Richtig ist, alles läuft auf einen Vergleich zwischen der Gemeinde und VIC hinaus und damit auf das AUS des VIC-Rathausprojektes.

Mit der Frage, ob ein neues Rathaus doppelt so viel kostet, nur die Hälfte oder ob es gar kein neues Rathaus gibt – wird VIC-Geschäftsführer Abraham dann wohl nichts mehr zu tun haben.
Bürgermeister Baier(SPD) vermutlich auch nicht, denn dessen Amtszeit läuft Anfang 2019 aus. Wenn er bis dahin nicht müde wird, dem Publikum kundzutun, alle anderen müssten ihre Fehler endlich eingestehen – dann dürfte dies seiner ganz  persönlichen Melange aus Eitelkeit, Expertengläubigkeit, Faulheit, Beleidigtsein und Dummheit geschuldet sein. Die Depression wird für ihn einsetzen, wenn die Kräfte erschöpft sind, welche die Verleugnung aufrechterhalten haben.

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