Zu „Dahlewitzer fürchten um ihren Wald“ (MAZ vom 14./15. April 2018)

15. April 2018
Von

Bürgerinitiative: Wald trotz S-Bahn möglich
Die „umgewidmete“ NVA-Gulaschkanone im Dahlewitzer Wald kennen wohl nur hiesige Spaziergänger, Jogger und Reiter. Hier, unmittelbar im Winkel von Autobahn und angrenzendem Rolls-Roys-Betriebsgelände ist der Verkehrslärm schon heftig. Auf der Rückwanderung in Richtung Sportplatz verliert er sich dann aber und man bekommt eine Ahnung davon, was dieser Wald an Geräuschemissionen aufnimmt.
Diese 90 Hektar waren mal schützenswert. Sind sie es noch? Für wen? Für wen nicht? Der Ortsbeirat und viele Dahlewitzer wehren sich inwischen laut und vernehmbar dagegegen, dass dessen Schutzstatus aufgehoben wird. Für Sie bedeutent das den strategische Einstieg in den unwiederbringlichen, wenn auch scheibchenweisen, Verlust eines naturnahen Gebietes, das ihnen seit Generationen viel bedeutet.
Die Gemeindevertreter hingegen haben die Landesregierung schon 2016 gebeten, diese Fläche umzuwidmen unter Verweis auf eine Erweiterung des Rolls Royce-Betriebsgeländes – initiiert durch eine Beschlussvorlage der Verwaltung. Warum? Wenn

Rolls Royce-Sprecher Stephan Wriege erklärt: „Für die Erweiterung unserer Aktivitäten hätten wir auch in Zukunft hinreichend Platz auf unserem Betriebsgelände.“ (MAZ 19.01.2018)

Auch in Zukunft? Das steht zumindest in krassem Widerspruch zu dem, vom Planungsbüro entworfenen, Zukunftsszenarium („Waldcampus Aerospace“). Entworfen im Auftrag der Verwaltung unter Ortwin Baier(SPD). Geht es hier demnach um eine Schnapsidee, pardon, um eine politische Vision, die mit den Zukunftsplanungen von Rolls Royce überhaupt nichts  tun hat? Verpackt in der Studie eines Planungsbüros, die dann in einem nächsten Schritt zu „unserem Konzept gemacht wurde? Mit welchem man der Landesregierung zunächst lediglich die S-Bahnverlängerung schmackhaft machen will?
Claus Treffkorn, Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI) „Wald bleibt Wald“, jedenfalls stellt fest: „Eine Entlassung aus dem Freiraumverbund ist auch für eine mögliche S-Bahnverlängerung nicht nötig.“ (MAZ vom 14./15.04.2018). Demnach ist die Erhaltung des Waldes trotz S-Bahnverlängerung möglich? Das sind widersprüchliche Aussagen. Für Bürgermeister Baier aber scheint der Punkt „Dahlewitzer Wald“ bereits abgehakt. Statt Panik mit Flugblättern zu verbreiten, „sollte Herr Treffkorn lieber Vorschläge zu Ausgleichsflächen für den Wald machen.“ (MAZ 19.01.2018).

Gründe für die Befürchtungen der Dahlewitzer
Als Beleg für ihre Befürchtungen verweist die BI auf den Landesentwicklungsplan der Hauptstadt-Region, in der die Fläche nicht mehr grün (Wald), sondern rot(Siedlungs-/Gewerbegebiet) dargestellt wird – wie auch VBB-Planungen, die von der Möglichkeit einer Schienenlegung quer durch den Wald zum Rolls-Roys-Betriebsgelände ausgehen. Harmlose Gedankenspiele oder realistische Szenarien?
Erst beauftragt die Gemeindevertretung auf Vorschlag der Verwaltung ein Planungsbüro mit der Entwicklung von Szenarien. Dann fasst die Gemeindevertretung, wiederum auf Vorschlag der Verwaltung, Beschlüsse auf der Grundlage eben dieser Szenarien. Wen stört´s, wenn sich zwei Jahre später zeigt, dasss die Zukunftszenarien, über die in besagter Studie fabuliert wird, hinten und vorne nicht zusammenpassen mit der Zukunftsplanung des Unternehmens Rolls Roys? (MAZ 19.01.2018)
Und dann kommt Marion Dzikowski, stellvertretende Bürgermeisterin, daher und erklärt: „Mit ihrem Wunsch, die Waldfläche umzuwidmen, habe die Gemeindevertretung auf Eventualitäten für einen besseren Nahverkehr hingewiesen.“ Sowie Gemeindevertreter Matthias Knake (SPD): Es ginge um nichts anderes, als, „die S-Bahn sicherzustellen und nicht darum, die Dahlewitzer zu übergehen oder Fakten zu schaffen. Sollte es ein Planfestellungsverfahren für ein neues Gewerbegebiet geben, würden die Bürger beteiligt.“(MAZ vom 14./15.04.2018) Beteiligt? Wie beim Planfeststellungsverfahren BER?

Der Waldcharakter bleibt erhalten, nur der Wald kommt weg
Laut „Entwicklungsszenarien entlang der Dresner Bahn“ allerdings, welches inzwischen zu „unserem Konzept“ geworden ist bzw. zur Grundlage des umstrittenen Gemeindevertreter-Beschlusses „Wald-Umwidmung“, geht es um etwas ganz anderes: Dort heißt es auf Seite 13:

„Zwischen der neuen Bahnhaltestelle und dem Gewerbegebiet Eschenweg könnte ein ´Waldcampus Aerospace´ entstehen mit einer Ausbildungsstätte und als Standort für Forschung und Entwicklung. Um den Standort attraktiv zu machen sollten zusätzlich Angebote für Freizeit sowie Wohnen (Wohnen für Studierende/Auszubildende/Facharbeitskräfte) vorzugsweise im nördlichen Teil angesiedelt werden. Der Campus sollte städtebaulich ansprechend gestaltet werden. Der Waldcharakter sollte ein wesentliches Gestaltungselement sein. Der Waldbestand umfaßt sowohl dichte Kiefernbestände als auch wertvollen Baumbestand. Die Fläche liegt im LSG „Diedersdorfer Heide und Großbeerener Graben“.
Die Entwicklung erfordert ein Zustimmungs- und Ausgliederungsverfahren aus dem LSG. Es ist mit hohen Kosten für die Erschließung sowie Ausgleichsflächen für den umzuwandelnden Wald zu rechnen. Erforderlich wäre ein städtebauliches Konzept, das einen Erhalt wertvollen Baumbstandes berücksichtigt und den Erschließungsaufwand minimiert. (…) Mit einer Machbarkeitsstudie sollten auch die Kosten ermittelt und eine städtebauliche Kalkulation aufgestellt werden.“
Beschlussvorlage Entw.-szenarien entlang der Dresdner Bahn 11.2016
Anlage zur Beschlussvorlage – Entw.-szenarien entlang der Dresdner Bahn

Einigkeit auf dem Rücken der Dahlewitzer?
So sehr es vor dem Hintergund der Rathauspleite zu begrüßen ist, dass sich die gewählten Volksvertreter von Blankenfelde -Mahlow fraktionsübergreifend einig sein können(Brief an MIL, Ziel Umwidmung Teilflächen): Geschieht das in diesem Fall nicht  auf dem Rücken der Dahlewitzer, nachdem sie dessen Ortsbeirat-Forderung aus 2016 ignorierten, den Wald zu erhalten? Merk-würdig: Zunächst hat man sich im Rathaus sogar geweigert, dem Dahlewitzer Ortsbeirat die Untersuchung zu den „Entwicklungsszenarien entlang der Dresdner Bahn“ zur Verfügung zu stellen (Ortsbeirat-Sitzung TOP 4). Dass die Ignoranz gegenüber Ortsbeirat-Stellungnahmen seitens einer Verwaltung unter O.  Baier (SPD) niemanden überrascht, sei nebenbei für diejenigen Leser erwähnt, die nicht so oft auf diesem blog vorbeischauen.
Stellungnahmen von Ortsbeiräten, so scheint es, müssen für Bürgermeister Baier nur ein einziges Krierium erfüllen, um in den Beschlussvorlagen seiner Verwaltung positiv Berücksichtigung zu finden: Sie müssen ihm politisch in den Kram passen. Ansonsten finden sie, unabhängig davon, selbstverständlich Berücksichtigung. Schließlich gehen sie in die Abwägung zum Landesentwicklungsplan mit ein.
Ob nach dem derzeitigen Stand Grundstücksspekulationen noch auszuschließen sind, bleibt abzuwarten – trotz Empfehlung des Planungsbüros (Seite 18) „… im Vorfeld die Aktivitäten nicht breit zu diskutieren. Die Flächen befinden sich zu einem nicht unerheblichen Teil in Privatbesitz. Über eine frühzeitige Einleitung einer Entwicklungsmaßnahme können die Bodenpreis niedrig gehalten werden.“
Und wie weiter? Lesen Sie dazu einen Beitrag von Marcel Schulz:


Der Dahlewitzer Wald zwischen Sportplatz, Gewerbegebiet und Bahn-strecke trägt seit jeher zur Naherholung und Freizeit-beschäftigung der Dahle-witzer aller Altersklassen bei und wird sowohl von Anwohnern als auch Anreisenden regelmäßig und gerne benutzt. Insbesondere mit dem beginnenden Frühlings-wetter und den damit einher-gehenden Sonnenstrahlen blüht nicht nur die Natur auf, sondern auch die Nutzung eben jenen Waldes. Als in Dahlewitz aufgewachsener junger Mensch kenne ich den Wald wie meine Westentasche. Fahrradtouren, der Weg zum damals noch öffentlichen Sportplatz, Schnitzeljagden, Fahrradrennen den Hügeln hinunter und ähnliches haben meine Kindheit geprägt. Auch heute noch nutze ich den Wald gerne, wie viele andere junge und alte Dahlewitzer, zum Spazieren gehen und Ausführen meiner Hunde. Besonders die Weitläufigkeit und die vielen kleineren und größeren Pfade zeichnen dabei die Waldfläche aus. Alternativen: Fehlanzeige. Weder der Wald am Dahlewitzer Gutspark noch der Weg zum Liekes Pfuhl bieten einen ausreichenden Ersatz.
Vermutlich auch aufgrund dieser Vorzüge war das Gebiet bisher Teil eines Landschaftsschutzgebiets. Doch dies soll sich nun ändern und das Gebiet in den Gestaltungsraum Siedlung umgewandelt werden. Dabei ist der Antrag dazu schon Teil des Landesentwicklungsplan der Hauptstadtregion.
Was bedeutet das für uns Dahlewitzer? Damit verfällt der Schutz das Waldgebietes und es können durch den Bürgermeister und die Gemeindevertretung deutlich einfacher diverse Pläne, welche die Rodung des Waldes involvieren, durchgesetzt werden. Zwar wird nach wie vor behauptet, das Rolls-Royce offiziell kein Interesse an diesem Gebiet und man auch nicht vor hat dort etwas zu bauen, doch auch hatte niemand vor eine Mauer zu bauen. Passiert ist es dann trotzdem.
Daher sind wir von der Bürgerinitiative „Wald bleibt Wald“ der Meinung, dass gesunder Menschenverstand ausreicht, um zu erkennen, dass das Landschaftsschutzgebiet nicht willkürlich und ohne Grund umgewandelt werden soll. Ob die eventuelle Rodungs des Waldes dann in einem oder zehn Jahren durchgeführt wird, ist dabei irrelevant. Stattdessen werden hier der Ortsteil Dahlewitz und die Interessen der Bewohner abermals übergangen und sollen weiter für das „Wohl“ der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow geopfert und geschröpft werden. Erhalten des Lebensstandards? Fehlanzeige!

Am 19. April 2018 wird dieses Thema in der Gemeindevertretungssitzung behandelt (Aushang-TOP 12). Wir bitten daher darum jeden Bewohner aus Blankenfelde-Mahlow der Wert auf Demokratie, Naturschutz oder dem Wohl der Anwohner legt dort Präsenz zu zeigen, um der Gemeindevertretung und dem Bürgermeister bewusst zu machen, das wir Anwohner keine Schachfiguren ihrer Interessen sind, sondern wir Rechte und Bedürfnisse haben und es deren Verantwortung und Pflicht als Volksvertreter ist, diese zu respektieren, zu berücksichtigen und zu schützen. Auf unserer Webseite können Sie sowohl  den Landesentwicklungsplans der Hauptstadtregion als auch die Untersuchung der VBB einsehen, welche eine Möglichkeit zur Schienenlegung quer durch den Wald zu Rolls-Royce darlegt:  https://www.waldbleibtwald.de/

Tags: , , , , , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.