„Irrsinn“: Unterschriften an Ministerin übergeben

13. Mai 2018
Von

Foto: Jürgen Hochsommer

Die Dahlewitzer Bürgerinitiative „Wald bleibt Wald“ hat am 7. Mai 950 Unterschriften an die Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung, Kathrin Schneider (SPD) zum Erhalt des Dahlewitzer Waldes übergeben.
Wie berichtet, zeigte sie sich beeindruckt von der Tatsache, dass in Dahlewitz noch viele andere Flächen zur Verfügung stehen und Rolls Royce keinen Bedarf für die Waldfläche hat. Die Ministerin hat sich beim Treffen mit der BI dem Vernehmen nach auch mehrfach auf ein Gutachten des Planungsbüros berufen, dessen Beauftragung – wie es der Zufall will – von ihrem Parteifreund, Bürgermeister Baier, vor Ort per Beschlussvorlage initiiert wurde. Dass eben dieser Baier dem Planungsbüro klipp und klar vorab signalisiert hat, was er in „seinem“ gemeindlichen Gutachten zu lesen wünscht – zu lesen wünscht, unabhängig von der Berücksichtigung der Vorstellungen des Rolls Royce-Konzerns, soll hier nicht unterstellt werden. Damit jedoch – Bürgerinteressen hin, Bürgerinteressen her –  würde sich der Kreis schließen.
Der Erinnerung halber, auch die Bürgermeister und Co. in der Gemeindevertretung (SPD, LINKE, Grüne) verfügen im Zweifel über Erfahrung in Sachen Abwimmeln lästiger UnterschriftenLesen Sie bitte hier die Einwendungen der Dahlewitzer Aline und Marcel Schulz zum 2. Entwurf des LEP HR. Sie verdeutlichen in schöner Klarheit, die von von A. Hollstein (Fraktion BB/FDP) als „Irrsinn“ bezeichnete Absicht, den Wald aus dem Freiraum-Verbund herauszulösen.

„Wenn ein Mensch die Hälfte eines jeden Tages damit zubringt, in den Wäldern spazieren zu gehen, weil er sie liebt, läuft er Gefahr als Faulenzer angesehen zu werden; aber wenn er seinen ganzen Tag als Spekulant vertut, der die Wälder abhauen und vorzeitig kahl werden lässt, wird er hoch geachtet als fleißiger und unternehmender Bürger. Als ob die Stadt kein anderes Interesse hätte, als ihre Wälder abzuholzen.“
(Henry David Thoreau, 1817-1862, in „Leben ohne Grundsätze“, Limbus Verlag 2017)

Tags: , , ,

2 Responses to „Irrsinn“: Unterschriften an Ministerin übergeben

  1. Robert Trebus
    13. Mai 2018 at 20:12

    Aber allem Anschein nach lesen nur wenige die benannte Studie vollständig. Von den drei aufgezeigten Szenarien in der Studie, zeigen zwei Optionen ohne den ganzen Wald abzuholzen. Nur eine Option markiert den Wald. Ein Gutachten stellt die drei Szenarien nicht dar. Ich denke es ist an de Zeit, das mal praktische Vorschläge zum Thema aufgezeigt werden. S-Bahnhof mit Vorplatz für den Busverkehr, Fußweg 400m zum Gewerbegebiet und Hotel.

    • Andrea Hollstein
      15. Mai 2018 at 12:45

      Es gibt keine Studie, lieber Robert, sondern ein erstes Gedankengerüst („Entwicklungsszenarien“), dass aber zur Folge hat, dass nun der Dahlewitzer Wald nun aus dem Freiraumverbund gelöst wurde und somit kurz- oder mittelfristig „zum Abschuss freigegeben“ ist.

      Das war nie der Wille der Gemeindevertretung. Jedenfalls nicht 2016. Mit der Zustimmung zum „Entwicklungsszenario“ hat die GV versucht, die Bedeutung der S-Bahn-Verlängerung gegenüber der Landesregierung zu verdeutlichen. So hat man es uns zumindest gesagt. Dies wäre erforderlich, weil unsere Gemeinde kein Intergriertes Stadtentwicklungskonzept (INSEK) hat.

      Heute wissen wir, dass für S-Bahn-Trassen notwendige Abrohdungen jederzeit möglich sind und dass Rolls Royce die Flächen für den möglichen Waldcampus Dank ausreichend vorhandener Flächen gar nicht braucht.

      Es muss und wird wahrscheinlich auch andere (wirtschaftliche) Interessen geben, den Wald zu vernichten. Anders kann ich mir nicht erklären, warum eine „grüne Gemeinde“ einem solchen Vorgehen mehrheitlich zustimmt.

      Man hat die BI „Wald bleibt Wald“ müde belächelt, obwohl sie Recht hatte. Mit tut das – neben der Herauslösung des Waldes aus dem Freiraumverbund natürlich – sehr leid.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.