Lufthansa und Berlin-Brandenburger Flughafenpolitik

23. Januar 2019
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Lesen Sie hier einen brisanten Kommentar der Neuen Aktion (NA) zum Verhältnis zwischen Lufthansa und Berlin-Brandenburger Flughafen-Politik und dazu, was die Lufthansa seit 1990 den Berliner und Brandenburger Akteuren, sowie jenen vom Bund, gebetsmühlenartig ins Stammbuch geschrieben hat.


Ignoranz der Fakten – Lufthansa-Bashing als Dummheit
Sicher nicht ohne Stolz verkündet die Flughafengesellschaft (FBB) ständig steigernden Fluggastzahlen, Rekordzahlen, an den Berliner Flughäfen Tegel (TXL) und Schönefeld (SXF). In 2018 flogen von beiden Flughäfen fast 35 Mio. Passagiere (Paxe). Die Anzahl der Flugbewegungen in Schönefeld (SXF) und Tegel (TXL) stieg auf 293.247 Starts und Landungen. Im Vergleich zu 2017 eine Steigerung um 6,6%. D.h.: In SXF stieg die Zahl der Flugbewegungen auf 105.955 (+ 4,6%), in TXL 187.292 (+ 7,8%).

Probleme die verschwiegen werden
Verschwiegen wird, dass diese Steigerung des Passagierrekords auf 35 Mio. Passagieren (Paxe) auch Fluglärm und Umweltverschmutzung nach oben treiben. Verschwiegen wird auch, dass durch die geplante Schließung von TXL 2020/21 die Abfertigungskapazität am BER/SXF für dann, bei moderaterem Passagierwachstum, auf 40 Mio. Paxe/Jahr angestiegene Fluggastzahl eine heillose Unterkapazität bietet. Verschwiegen wird, dass es für die Folgejahre mit dem  Zubau einer Industriehalle (Terminal 2) am BER (Terminal1) keine Problemlösung gibt. Denn gleichzeitig wird die SXF-Kapazität wegen Betriebsaufnahme des provisorischen Regierungsflughafens um ca. 6 Mio. Paxe wieder gekürzt. Verschwiegen wird aber auch, dass die BER-Ausbauplanung nicht ohne eine dritte Start– und Landebahn (Piste) geht. Für diese werden mit Planung und Bauzeit bis zu 10 Jahre ins Land gehen.
Fazit: Der BER ist in 2020 ff wegen chronischer Unterkapazität nicht zukunftsfähig, obwohl Lütke Daldrup (ELD; Chef der FFB) mit seinen unausgegorenen Ausbau-Masterplan mit der unglaubwürdigen Propaganda verbreitet, der BER würde dereinst 50 – 60 Mio. Paxe abfertigen, ohne dritte Piste. Über diesen ELD und seine Planungs-Gespinste schütteln Experten nur den Kopf. Er gilt als eloquenter Blender, der der Politik und Öffentlichkeit erzählt: Im BER-Himmel sei Jahrmarkt, so können es auch Abgeordnete in Berlin und Brandenburg jederzeit von ihm erfahren.

Lufthansa bekräftigt ihre Position zum BER-Chaos
Die Fakten haben den Vorsitzenden der Lufthansa (LH), Spohr, wiederum auf den Plan gerufen. In der Vergangenheit gab es bei der LH, ihren Vorständen, immer wieder Hinweise auf die Zukunftsunfähigkeit des BER am fehlgeplanten Standort Schönefeld. Von LH-Vorständen wurde schon in der Planungsfrühzeit gewarnt, der Standort Schönefeld sei nicht zukunftsfähig. 1990, mit Wiederholungen in 1993; 1995 und 1997. Zitate aus Briefen, die NA vorliegen:

  • 1993 ließ der Spohr–Vorgänger Heinz Ruhnau schriftlich wissen:
    Auf einer Bürgerveranstaltung in Bohnsdort (1990) wurde mir klar: In Schönefeld kann ein Großflughafen nicht gebaut werden“. Grund unzumutbarer Fluglärm. Wenn ein neuer Großflughafen, dann nur mit unserem Segen in Sperenberg. …“
  • Aus 1995:
    Schon vor 2 Jahren (1993) habe ich den Ministerpräsidenten (Stolpe, SPD) und den Regierenden Bürgermeister (Diepgen, CDU) darauf hingewiesen, daß man beim Ausbau von Schönefeld mehrere Dörfer umsiedeln muß. Mir wurde die lakonische Antwort zu teil, Dörfer würden auch beim Ausbau der Braunkohle umgesiedelt und da würde man sich auch durchsetzen. Das verkennt natürlich völlig die Situation am Flughafen. Die Braunkohle kann nur an einem bestimmten Platz ausgebeutet werden. Der Flughafen kann aber auch an einer anderen Stelle gebaut werden…“
    Vor dem Hintergrund der populistischen Erklärungen des FBB-Gesellschafter-Vertreters Woidke (SPD) werden zwei Gesichter klar: die für die Standortfehlentscheidung „Schönefeld“ verantwortlichen Politiker schwätzen jeweils mit der Zunge, die sie aktuell im Mund haben.
  • Heinz Ruhnau dann in 1997:…“ Ich bin sehr froh, an der Entscheidung über die Aufgabe von Sperenberg nicht beteiligt zu sein…“ Da hat Berlin und Brandenburg eine große Chance für die Zukunft verpaßt….“

Ruhnaus Rache
Insider und Kenner bezeichnen es heute als Ruhnaus Rache, dass er dann als „one-Dollar man“ dem Ruf Biedenkopfs (ehemalig MP von Sachsen) folgte und für den Flughafen Leipzig das gewaltige europäische Cargo–Geschäft von Brüssel/Belgien nach Leipzig holte. Ergebnis: Praktisch keine Cargo–Fracht für Berlin, Leipzig der größte Cargo Flughafen in Deutschland. Zitat dazu aus 1997:.. „Ministerpräsident Biedenkopf in Sachsen macht das Richtige …“.

So nahm die Katastrophe ihren Lauf
Im Juni 1995 konnte man dann in der Presse ein letztes Plädoyer von Ruhnau und Olaf Henkel (damals Vorsitzender des AR der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, FBB) nachlesen. In förmlich letzter Stunde vor dem idiotischen politischen Konsensbeschluss (Juni 1996), den Großflughafen in Schönefeld zu bauen, plädierten beide für den Standort Sperenberg. Ergebnis, Ruhnau und Henkel wurden aus dem Aufsichtsrat „ausgeschieden“, „Schönefeld“ wurde als Standort durch den damaligen Bundesverkehrsminister Wissmann (CDU), den damaligen Regierenden Bürgermeister Diepgen (CDU) und den damaligen Brandenburgischen Ministerpräsidenten Stolpe (SPD) im Konsensbeschluss durchgesetzt. Heute eine unbestrittene fatale Fehlentscheidung, getroffen durch Laienprediger ohne Ahnung von Zukunftsanforderungen an einen Großflughafen. Natürlich, wie immer, wenn in Brandenburg politischer Unfug entschieden wird, waren die sich Abgeordnete nennenden Kopfnicker als Hofschranzen immer dabei. Dazu wird mit System verschwiegen: Nur das Land Brandenburg kann aus faktischen Gründen als Flächenbesitzer und aus Gründen des brandenburgischen Verfassungsrechtes, darüber entscheiden, wer wann und wo in seinem Land ein Flughafen baut.

Wenn ein Schuldiger am Chaos, dann Stolpe
Wie später bekannt wurde, war Stolpe für diese Entscheidung Bau in Schönefeld der Macher. Er ließ Diepgen im Frühjahr 1996 wissen, dass er am Standort Sperenberg kein Interesse mehr hatte. Grund: Er wolle/könne die hochgerechneten Infrastrukturkosten von 500 bis 600 Mio. DM Mark nicht aufbringen. Nach eigenen Aussagen war Diepgen erleichtert, weil er in der eigenen Partei schon als letzter Kämpfer für Sperenberg seinen Ruf weg hatte und nun wieder im Glied stand.

Es geht um den Urschleim
Man muss diesen „Urschleim“, auf dem die politisch Verantwortlichen 1996 ausgerutscht sind im Auge haben, wenn man heute die Aussagen von Spohr oder anderen Befürworten für den Standort Sperenberg zugunsten des Weiterbetriebs von TXL bewerten will. Ihre Grundlage/Begründung liegt in der Position, die sein Vorgänger Ruhnau in zig Gesprächen deutlich gemacht hat. Wenn ein neuer Großflughafen, dann nur mit unserem Segen in Sperenberg. Nur an diesem Standort sehen wir eine Zukunft auch für unsere Pläne. Wir wollen ein Drehkreuz (HUB) auch als Entlastung für Frankfurt/Main und einen HUB–Verzicht in München. Ruhnau, LH, wusste und erklärte, dass Berlin und Brandenburg, Deutschland einen Flughafen benötigt, der auf eine Kapazität/Jahr für bis zu 150 Mio. Paxe, mit sechs möglichen Start– und Landebahnen entwicklungsfähig ist. Diese Perspektive war fachlich sachlich begründet und darum immer richtig. Die politischen Versager hatten für diese Perspektive nur Hohn und Spot.

Unfähige Betonköpfe gegen Sachverstand
Berliner und Brandenburger politische Betonköpfe (Diepgen CDU, Stolpe SPD, Wowereit SPD, Platzeck SPD, Woidke SPD, Bretschneider SPD) und ihre Chorknaben haben sich durchgesetzt. Sie wollten alles besser und mehr wissen als eine renommierte Fluggesellschaft, der German Carrier LH, die unternehmerisch und im Wissen um die Entwicklung des Weltluftverkehrs mit Ihren Forderungen richtig lag und liegt. Und nun müssen diese Laien und Besserwisser ein Chaos, vielleicht sogar die Verweigerung einer BER Inbetriebnahme, noch propagiert für 2020, hinnehmen. TÜV oder Genehmigungsbehörde (Landkreis Dahme-Spreewald, Loge SPD) werden sich hüten, eine Betriebsgenehmigung auszusprechen, wenn die Verkabelung für Strom und Sicherheitssystem Chaos in den Kanälen ist. Der Baupfusch und die Kostensteigerung von 1,8 Mrd. € auf nun 7 Mrd. €  sind eine Bilanz des ignoranten Treibens der politisch Verantwortlichen. Das Ergebnis ist ihrem Versagen und ihrer Ignoranz geschuldet. Nur Konsequenzen werden sie nicht ziehen, bis zum Untergang.

Dummheit ist auch Erklärung
Vor diesem Hintergrund ist vielleicht das seit Jahren betriebene bashing gegen die LH erklärbar. Wir brauchen die LH auch nicht, denn mit AIR BERLIN haben wir eine Fluggesellschaft, die uns dienlich ist, aus dem BER ein Drehkreuz mit internationaler Funktion zu machen. Wiederum eine gewaltige Fehleinschätzung, Großkotz-Manie, denn AIR BERLIN ist inzwischen pleite und einen BER gibt es immer noch nicht. AIR BERLIN hin oder her, wer seinem potentesten Kunden Beine stellt, ist nur dumm.
Als Großflughafen bleibt BER ein Traumgebilde und in der Realität wird er zur Lachnummer als Ergebnis von Chaoten und Versagern. Es gibt für diese Versager keine Ausreden mehr, nicht nur für ihre Ignoranz gegenüber der LH-Position zu Bedeutung des BER. Was bleibt sind die Aussagen von LH und Experten, die seit 1990 erklären: Schönefeld ist ungeeignet.

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