BER: Annährung an die Wahrheit

1. Februar 2019
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Was die IHK Cottbus dieser Tage mit einer Studie öffentlich machte, ist ein alter Hut. Auf ber-na.de war schon 2015 zu lesen was diese nun als Schlussfolgerung, noch dazu schön gefärbt, verkauft. Die vorgeschlagenen Maßnahmen mögen richtig sein, nur ihre Umsetzung – das politisches OK vorausgesetzt – würde 10-15 Jahre dauern und Milliarden kosten. Darum gibt es nur die Lösung, die auch in der aktuelle IHK-Studie nicht stattfindet: Schluss mit dem BER und Nachnutzung! 
Doch nicht unerwartet nähert sich die Berichterstattung zum BER-Chaos endlich der Wahrheit an. Der folgende Kommentar der Neuen Aktion (NA) befasst sich mit den Ursachen und Gründen vergangener Berichterstattung, die sich zumeist dadurch auszeichnete, jeweils aktuelle Fakten und Wahrheiten zu ignorieren und/oder Behauptungen, Täuschungen und Lügen, die von den politisch- und Bau-Pfusch-Verantwortlichen verbreitet wurden, kritiklos zu übernehmen. Noch immer nicht ist die einzige Problem- und Zukunftslösung: 

  • Neuplanung, Neubau BER am geeigneten Standort und
  • Nachnutzung des BER-Investments in Schönefeld 

Gegenstand der Berichterstattung. An einem Beispiel kann ermessen werden, wo hierfür die Ursache zu suchen ist.


Es ist nichts so fein gesponnen –
auch hirnrissige Medienpositionen kommen ans Licht der Sonnen

Wer die jahrelangen Versuche von Lügen, Täuschen, Schuldzuweisungen und Schreibereien zum BER Chaos über sich hat ergehen lassen, kann nur ein Urteil fällen: Die politisch für das Chaos Verantwortlichen und ihre Protagonisten, Wirtschaftsverbände, IHK und Jubelperser in Gemeinden, Bezirken und Landkreisen, müssen sich nun Wahrheiten beugen. Der BER ist die größte Planungskatastrophe in der Republik. In einem Zeitraum, indem die Chinesen 80 Flughäfen gebaut und in Betrieb genommen haben „glänzen“ die BER Versager mit einem BER Projekt, dessen Inbetriebnahme nach fast 15 Jahren in den Sternen steht.

Die Ursachen sind seit Jahren bekannt

Es sind die Wahrheiten zu den Ursachen, die schon lange, 23 Jahre, bekannt sind (Siehe ber-na.de). Unabhängige Experten und Fluggesellschaften haben sie öffentlich gemacht. Durch Nichtantwort wurden sie ignoriert und in Schweigespiralen versteckt. Es sind Wahrheiten, die immer nur dann Gegenstand von Einsichten der Ignoranten wurden, wenn Vertuschung unmöglich geworden war, vergleichbar Zugeständnissen, die Ganoven vor Gericht bekunden, wenn Fakten und Wahrheiten nicht mehr bestritten oder in Frage gestellt werden können. Nur, in diesen Fällen bis heute, wird daraus nicht die Konsequenz gezogen, das Chaos grundsätzlich zu lösen. Der fehlgeplante Standort, trotz seit langem  zugegebener Fehlentscheidung, darf immer noch nicht aufgegeben werden. Jede Kritik, Beweisführung an Baupfusch, Zweifel an Inbetriebnahmeterminen, ob aus Politik, Medien oder von anderen BER Protagonisten, endet immer mit der Parole „weiter so“, der BER muss in Schönefeld, gleich wie und wann, Flughafen werden und eröffnen. Denn, führe der Baupfusch den BER unreparierbar an die Wand, werden Kredite und Bürgschaften in der Größenordnung von 5 Mrd. € fällig. Das ist der wahre Grund für „weiter so“. Solange, wie die Kreditgeber mit „wir lösen die Probleme aus Baupfusch und Managementversagen“ hingehalten werden, sind auch die verantwortlichen Bürgschaftsgeber, die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und Bund, noch verschont vor dem Totalkollaps als Ende ihres fortgesetzten Versagens.

Die Ursachen für die kollektive Ignoranz findet man im Urschleim

Typisch, beispielhaft, für dieses „Muss“, des weiter so, ist ein Bekenntnis aus frühen Zeiten, das der Redaktionsdirektor des Tagesspiegel, Appenzeller, Kritikern der Flughafenberichterstattung des Blattes, schriftlich wie folgt ins Stammbuch geschrieben hat (04. April 1999):

…“Gerade aus diesem Grund (Fluglärm in Tegel und Tempelhof, Redaktion) sind wir der Meinung, daß die innerstädtischen Flughäfen in Tempelhof und Tegel geschlossen werden müssen und Berlin und Brandenburg einen Flughafen vor den Toren der Großstadt brauchen. Wir sind in der Redaktion auch übereinstimmend der Meinung, daß der Standort Sperenberg zu weit entfernt ist, um wirtschaftlich eine Zukunft zu haben.

Deshalb vertreten wir die Ansicht, daß Schönefeld der richtige Standort ist. Wir orientieren uns bei unserer Kommentierung u.a. auch, da wir Realisten sind, an dem zwischen den Ländern Berlin und Brandenburg geschlossenen Staatsvertrag….“

Diese laienhafte Behauptung, die katastrophale Fehleinschätzung,           wurde vom Adressaten der Spiegel vorgehalten. Dem Redaktionsdirektor wurde, vom damaligen Vorsitzenden des BVBB, Karl-Heinz Lüpke, geantwortet (09. April 1999):“Rerum Causus Cognoscere” ist der redaktionelle Anspruch Ihrer Zeitung….In Wertung Ihrer Antwort müssen wir feststellen, daß “Der Tagesspiegel” seinen eigenen Anspruch verleugnet…“

Diese Antwort hatte sich „gewaschen“. Appenzeller wurde vorgehalten, dass er dem BVBB fälschlich unterstellte, nicht auch für die Schließung von Tegel (TXL) und Tempelhof (THL) einzutreten, was der BVBB bekanntermaßen ausdrücklich wollte. Dann, wenn er behauptet, der Standort Schönefeld liege „vor den Toren der Großstadt“ habe er noch nicht einmal den Stadtplan von Berlin gesehen. Denn schon heute und durch die geplante Entwicklung der Großflughafenträumerei ist unbestreitbar, dass Schönefeld nach übereinstimmendem Expertenurteil ein innerstädtischer Flughafen bleibt. Die Appenzeller–Aussage, nach der Sperenberg im übereinstimmendem Urteil der Redaktion der Bürgerinitiative unzureichende Sachkenntnis vorwirft, wird so beantwortet: Sperenberg kann ohne Einschränkung zum internationalen Luftdrehkreuz entwickelt werden, bekäme Nachtfluggenehmigung und habe praktisch, im Gegensatz zu Schönefeld, keine Fluglärmbetroffenen. Dicker noch: Appenzeller berücksichtige nicht den krank machenden Fluglärm, ihn störe nicht, dass 2 km von den Start– und Landebahnen die dichte Besiedlung von Gemeinden, und Berliner Stadtbezirken beginnt und die dort lebenden Menschen mit der Gefahr von Havarien leben müssten. Dann folgt noch der Hinweis, entstehende Arbeitsplätze sind nicht am Standort Schönefeld gebunden. Sie können auch dort entstehen, wo Manfred Stolpe ehemals den Flughafen wollte, in Sperenberg.

Redaktionslinien als Rohrkrepierer

Wer diesen Urschleim, die sachlichen Irrtümer, zu den Grundsätzen der über Jahre folgenden Berichterstattung des „Tagesspiegel“ zur Kenntnis nehmen konnte, kommt nur zu einem Urteil: Appenzeller hat eine Redaktionslinie vorgegeben, die auf Grund der Entwicklung zum BER Chaos ein Rohrkrepierer ist. Dieser belegt auch die Unfähigkeit zur Reflexion. Die Berichterstattung des Blattes musste, konnte nach Redaktionslinie immer unter dem Gesichtspunkt mangelnder „Gefälligkeitsrecherche“ und Hofberichterstattung gewertet werden. Immerhin, diese Redaktionslinie wurde bis heute durchgehalten. Schönefeld muss in Betrieb gehen und Sperenberg als Alternative und Problemlösung wurde tabuisiert. Appenzeller und Co. wollen nicht lernen!

Das Fazit lautet „weiter so“

Unabhängig davon, ob auch in anderen Blättern, bei TV und RBB ähnliche Redaktionslinien wie beim Tagesspiegel Grundlage der Berichterstattung vorgegeben sind oder waren, ist festzustellen: Der BER am Standort Schönefeld wurde in Medien „das liebe Jesulein“, das in der Krippe bleiben musste. Dies zur Freude der politischen Versager.

Unwiderlegbar haben unabhängige Experten, Neue Aktion (NA) und Bürgerinitiativen (BVBB) die Entwicklung und das zu befürchtende Ende von Chaos und Fehlplanung über Jahre vorhergesagt. Alle Gründe, das zwangsläufige Verkehrschaos, ebenfalls als Fehlplanung der Infrastruktur, können heute nicht mehr schön geredet und geschrieben werden. Sie stehen in zig Kommentaren auf www.ber-na.de. Auf dem Urschleim der Standortfehlentscheidung wird nun geschlittert. Ignorant und unbelehrbar, um jeden Preis, geht es um „weiter so“. Die Alternativen zur Problemlösung, Neuplanung am Standort Sperenberg, vorläufiger Weiterbetrieb von TXL als Kapazitätsreserve, Entlastung durch Verlagerung der Billigflieger auf andere Standorte und Nachnutzung des BER Investments im Sinn des Konzepts „Zentralflughafen für Deutschland – Nachnutzung BBI/BER“ (siehe www.ber-na.de) werden weiter ignoriert, bis zum Untergang. Die Titanic lässt grüßen.

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