Zum AUS für das zweite S-Bahn-Gleis nach Rangsdorf

14. November 2019
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Die MAZ berichtet am 9.11.2019 in großer Aufmachung über die Kritik des BISAR-Vorsitzenden R. Panier an den Ausbauplänen der Dresdner Bahn:

„Pannier spricht von großen Planungsmängeln aller Beteiligten. Das fing schon mit dem Parkhaus direkt neben dem Bahnhof in Blankenfelde an. Es stehe zu nahe an den Gleisen. Für zweigleisigen Ausbau der Strecke müsste der gesamte Bahnsteig mehrere Meter nach Osten versetzt werden.“

Natürlich weiß Herr Pannier (SPD) nicht erst seit heute, dass das Parkhaus von Beginn an falsch geplant wurde. Natürlich weiß er, dass man diese verfahrene Situation künftig nur noch aufgelöst werden kann, indem man den gesamten Bahnsteig ca. 6 m. nach Osten verschiebt – mit einem zusätzlichen Millionen-Aufwand.
Natürlich kennt er die Argumentation der Bahn, dass es zur nachträglichen Verlegung des Bahnsteiges keine Bestellage des Landes gib. Diese wiederum jedoch Grundlage für eine Planänderung wäre, da die DB Netz AG keinen Mitteleinsatz aus Eigenmitteln in Aussicht zu stellen bereit ist.

Doch selbst Ortwin Baier (SPD) hat ja in der ersten Euphorie seiner Wiederwahl anlässlich seiner zweiten Vereidigung bereits 2012 eingeräumt:

Die Zentrumsplanung sollte ursprünglich drei Säulen umfassen: Rathausbau, Parkhausbau und den Bahn-Tunnel Karl-Marx-Strasse, beidseitig ausgebaut mit einem Geh- und Radweg. Zumindest so viel hat also Baier schon damals verstanden, dass „wir“ mit dem Bau des Parkhauses hinsichtlich Zentrumsbebauung de facto den „ … dritten Schritt vor dem ersten“  getan haben. „Wir“? Natürlich „wir“ – denn das Projekt Parkhaus Blankenfelde wurde zwar von ihm und seinem gefeuerten Baudezernenten eingefädelt, aber abgesegnet hat es schließlich eine Mehrheit der Gemeindevertretung (SPD, Linke, CDU, Grüne).

Eine 5,9 Millionen-Investition ohne Ausschreibung, ohne Alternativentwürfe vom Kommunalparlament durchwinken zu lassen, dazu gehört schon was. Aber, wie das Leben so spielt, „alle Beteiligten“ kann man halt nicht glücklich machen. Zumindest einem speziellen Planungsbüro und einem Bauunternehmen dürfte dieser, kosten-seitig völlig aus dem Ruder gelaufene Auftrag, zu Nutz und Frommen gereicht haben. Wer will schon heute noch wissen, dass die Frage der Berücksichtigung Rangsdorfer Interessen – hinsichtlich der Verlängerung  der S-Bahnstrecke über Blankenfelde hinaus  – schon damals wie ein Elefant im Raum stand.
Das war von Anfang an bekannt, das haben alle gewusst als in 2008 mit dem Bauvorhaben begonnen wurde  – der damalige Bürgermeister Baier(SPD), sein damaliger Baudezernent Sonntag(SPD), die Gemeindevertreter von SPD, Linken, CDU, Grünen: wenn das Parkhaus so gebaut wird, ist kein Platz mehr für ein zweites Gleis zur S-Bahnverlängerung nach Rangsdorf. Auch Ortwin Baier hat seinerzeit argumentiert, für ein zweites Gleis gibt es „keine Bestellage des Landes“. Was richtig und falsch zugleich ist. Denn eine Gemeinde, die sich als Teil der kommunalen Familie begreift, muss dies noch lange nicht daran hindern, zukunftsfähig, über den eigenen Tellerrand hinaus, zu planen. Insofern ist das kein Argument, sondern ein Hinweis mehr darauf, dass beim Einfädeln und Durchdrücken dieser Millionen-Investition seinerzeit andere Interessen Vorrang hatten.

Das Parkhaus Blankenfelde – völlig überteuert und noch dazu an der falschen Stelle gebaut, erweist sich nun als ein wesentlicher Knackpunkt hinsichtlich der weiteren S-Bahnverlängerung. Insofern ist der Kritik Paniers an den Planungen der DB Netz AG voll umfänglich zuzustimmen.
Aber, Parteiräson ist Parteiräson! Die SPD darf im Zusammenhang mit dem Scheitern des S-Bahnverlängerung nach Rangsdorf keinen politischen Schaden nehmen. Kommunale SPD-„Spitzenkräfte“ (Bürgermeister, Baudezernent) haben schließlich Null damit zu tun, oder?
FAZIT: Hier wurde unverantwortlich geplant, aber verantwortlich ist niemand! Dumm gelaufen für die Rangsdorfer und den Verein BISAR (BürgerInitiative für S-Bahnanbindung Rangsdorf e.V.). Wenn aber dessen Vorsitzender, Genosse Panier, in der MAZ mit Blick auf das Parkhaus Blankenfelde in allgemeiner Form „große Planungsmängel aller Beteiligten“ beklagt, dann kann man in diesem Punkt eigentlich nur noch von einem Versuch gezielter Irreführung sprechen.

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